Das RKI liest in der Löwen-Bar mit ;-) (Forum)

Herbert, Wednesday, 22.04.2020, 16:52 (vor 2272 Tagen) @ Herbert

... wenn ich mir die Daten des RKI anschaue, siehe PDF auf https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/17/Art_02.html?nn=13490888 und dort die "Schätzung der Reproduktionszahl R" (Abbildung 4), dann sieht man recht deutlich, dass die Reproduktionszahl (wie viele Menschen werden von einem Kranken angesteckt) ab dem 22.03. praktisch gleich bei etwas unter 1 stehen geblieben sind.

...

Gerne darf mich aber jemand auf meinen / einen evtl. Denkfehler aufmerksam machen, aber bitte nicht Argumente wie "es werden halt mehr getestet" oder "Statistik ist immer interpretierbar", da ich ja schon absichtlich Daten / Charts des RKI verwende und die Erklärungsversuche des RKI im Dokument wirken auf mich auch eher "hilflos".

Auszug aus https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/gesamt.html

---------------------------------------------------
Wenn die Reproduktionszahl R bereits am 22. März unter 1 lag, warum brauchte man dann noch Kontaktbeschränkungen?

Die Reproduktionszahl beschreibt, wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt (siehe auch "Was versteht man unter der Reproduktionszahl R, und wie wichtig ist sie für die Bewertung der Lage?"). Die Reproduktionszahl kann nicht alleine als Maß für Wirksamkeit/Notwendigkeit von Maßnahmen herangezogen werden. Wichtig sind außerdem u.a. die absolute Zahl der täglichen Neuinfektionen – sie muss klein genug sein, um effektive Kontaktpersonennachverfolgung zu ermöglichen und Kapazitäten von Intensivbetten nicht zu überlasten - sowie die Schwere der Erkrankungen.

Die Tatsache, dass die Reproduktionszahl seit Anfang März unter der Basisreproduktionszahl (R0) zwischen 2,4 und 3,3 liegt, ist eine Konsequenz der Maßnahmen, die zur Eindämmung des Virus getroffen wurden. Wichtige Meilensteine sind hierbei die Absage großer Veranstaltungen (> 1.000 Teilnehmer) in verschiedenen Bundesländern vom 9. März, die Bund-Länder-Vereinbarung vom 16. März sowie die Einführung eines bundesweiten Kontaktverbots vom 23. März. Die verschiedenen Maßnahmen ergänzen und verstärken sich gegenseitig.

Die Maßnahmen vor dem 23. März führten zu einem Rückgang der Reproduktionszahl zu Werten nahe 1 seit dem 19. März. Am 22. März lag die Reproduktionszahl erstmals unter 1. Die Einführung des bundesweit umfangreichen Kontaktverbots führte dazu, dass die Reproduktionszahl auf einem Niveau unter 1/nahe 1 gehalten werden konnte. .

Die Tatsache, dass die Anzahl der Neuerkrankung nach dem 23. März zunächst stagniert und nicht weiter sinkt ist u.a. dadurch zu erklären, dass sich das Kontaktverbot nur auf Kontakte außerhalb geschlossener Settings wie Haushalte oder Altenheim bezieht. Das heißt, dass auch nach dem 23. März innerhalb dieser Settings noch Übertragungen stattgefunden haben. Es ist davon auszugehen, dass die Reproduktionszahl ohne das Kontaktverbot wieder angestiegen und sich der Basisreproduktionszahl angenähert hätte. Genau hier setzt das bundesweite Kontaktverbot an: Durch die Kontaktreduktion im öffentlichen Raum wird der "link" zwischen den unterschiedlichen Settings entfernt, so dass die einzelnen Geschehen in sich beschränkt bleiben. Nach dem 4. April kommt es dann zu einem weiteren deutlichen Rückgang der Anzahl von Neuerkrankungen.

Bezogen auf die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung von Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ist zu betonen, dass noch immer von keiner nennenswerten Immunität in der Bevölkerung auszugehen ist. Eine unkontrollierte Lockerung der Maßnahmen und eine Rückkehr zu „prä-Pandemie-Verhalten“ würde somit zu einem erneuten Anstieg der täglichen Fallzahlen und einer Annäherung der effektiven Reproduktionszahl an die Basisreproduktionszahl führen.

Stand: 22.04.2020
---------------------------------------------------

Die Aussage "Die Maßnahmen vor dem 23. März führten zu einem Rückgang der Reproduktionszahl zu Werten nahe 1 seit dem 19. März. Am 22. März lag die Reproduktionszahl erstmals unter 1." gehe ich mit aber "Die Einführung des bundesweit umfangreichen Kontaktverbots führte dazu, dass die Reproduktionszahl auf einem Niveau unter 1/nahe 1 gehalten werden konnte." ist meiner Meinung nach Spekualtion.

Auch ist "Eine unkontrollierte Lockerung der Maßnahmen und eine Rückkehr zu „prä-Pandemie-Verhalten“ würde somit zu einem erneuten Anstieg der täglichen Fallzahlen und einer Annäherung der effektiven Reproduktionszahl an die Basisreproduktionszahl führen." ziemlich polemisch wenn man gleichzeitig erklärt, dass die Maßnahmen vor dem 23. März bereits zu einer Reproduktionszahl unter 1 geführt haben. Anscheinend will keiner wirklich zugeben, dass die wichtigste (evtl. eben auch ausreichenden) Maßnahmen zum einen das Verbot von Großveranstaltungen und natürlich die Information / Sensibilisierung der Bevölkerung ist / war.

Für mich wirkt das alles sehr wie eine Rechtfertigung für einschneidende Änderungen.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion