@BlueMagic (Forum)
Dass die keine sinnvolle Endlagerlösung wollten glaube ich jetzt nicht.
Egal welche Partei, Politiker sind Politiker und als solche sind sie vor allem auf Wählerstimmen bedacht.
Solange die Bevölkerung nicht bereit ist ein Endlager in Deutschland zu akzeptieren (und m.E. hat das eben alles weniger mit objektiven technischen Fakten, sondern mehr mit reinen Gefühlen zu tun), will da keiner eins irgendwo vorschlagen. [Und der von mir angesprochene Vorschlag ist halt zurzeit noch international verboten.] Darunter sind sicher Politiker, die ohnehin einen Atomausstieg wollen, denen das also ganz zupass kommt, dass es für eine Endlagerung keine Lösung geben soll/kann (wenn auch wohl weniger bei Union und FDP, eher in linken Parteien), aber eben auch Politiker, die vielleicht durchaus gerne eins vorschlagen würden, aber nur bedingt bereit dazu sind, eine Wahlniederlage deswegen zu riskieren.
Ein Endlager ist halt auch ein klassisches NIMBY-Projekt.
Umso bemerkenswerter dass die Finnen eins hinbekommen haben. Entweder haben die Finnen tatsächlich einen geologischen Ort gefunden, den es so in ganz Deutschland nicht gibt oder die Finnen akzeptieren halt eher eine realistisch-pragmatische Lösung statt nach einer unerreichbaren Fantasielösung zu suchen.
Enscheidend ist auf jeden Fall, dass die finnischen Politiker das Volk mehrheitlich auf ihrer Seite haben. Sogar die finnischen Grünen sind jetzt pro Atom.
Und auch wenn Kernschmelze technisch nicht mehr möglich sein sollte, würde ich mich in unmittelbarer Nähe eines Klein-AKWs nicht wohl fühlen.
Das ist der Punkt. In Deutschland (und auch in Luxemburg) sitzt die Atomangst ganz tief in den Köpfen vieler Menschen. Man musste als Jugendlicher in der Schule "Die Wolke" von Gudrun Pausewang(*) lesen, man bekam als Kind die Katastrophe von Tschernobyl mit, was ich selber auch als traumatisches Erlebnis in Erinnerung habe. Ich weiß noch, dass ich auf einem Kindergeburtstag nicht Sackhüpfen wollte, weil ich dachte, der Rasen sei giftig.
Und so gruselt es einen, wenn man nur das Piktogramm für Radioaktivität sieht. Schlimm verstrahlt zu werden, wäre ja auch furchtbar. Und Filme die mit dieser Angst kokettieren, sind zweifellos enorm intensive Erlebnisse. Ich denke da bspw. an Kathryn Bigelows K-19.
Ich kann das alles also emotional sehr gut nachvollziehen.
Dennoch fühle ich mich selber heute nicht unwohl wegen Cattenom, erst recht nicht, nachdem ich die Dinge mal rational analysiert habe und verstehe dass wir hier keine Erdbeben und Tsunamis haben und keine inkompetenten Sowjets, die ein total unverantwortliches Reaktordesign (RBMK) entworfen haben und dann auch noch extreme Experimente damit tätigen.
(*)Kleine Anekdote am Rande: ich hab als kleiner Bub die Gudrun Pauswang mal bei einer Lesung vor unserer Grundschulklasse getroffen. Die hat mich damals sogar zum Schreiben ermutigt, weil ich meinte, ich fände Schreiben auch cool. Jahre später musste ich dann auch "Die Wolke" lesen 
