@domlöwe (Forum)
Die 3 Gigawatt Atomstrom in Deutschland werden in ihrer Bedeutung maßlos überschätzt.
Hier muss ich ein paar Dinge präzisieren:
1. Ich habe allg. geredet und nicht nur auf Deutschland bezogen. Also eigentlich sogar global.
Mein Punkt ist, dass wir (=die Menschheit) Kernenergie brauchen zur Bereitstellung der notwendigen Energie bei gleichzeitiger Reduktion der Co2-Emissionen.
2. Mir geht es weniger um die alten Reaktoren, deren Laufzeit um ein paar Monate verlängert wurde, als vielmehr darum NEUE Reaktoren zu bauen. Alte können dann sogar gerne vom Netz genommen werden.
Konkret geht es mir um den Bau von SMRs. Diese könnten innerhalb von 3-5 Jahren gebaut werden (und nicht innerhalb von 10-20, auch wenn der Herbert drauf hinweist, dass selbst diese Spanne noch vertretbar sein könnte).
dann werden wir bei einem weitaus ambitionierteren Ziel wie die Klimaneutralität bis Mitte des Jahrhunderts erst recht scheitern
Mein Punkt ist eben, dass diese sog. Klimaneutralität eine Schimäre ist. Jedenfalls ohne Kernenergie. Wobei ich zwar bezweifle dass diese überhaupt erreichbar ist. Aber wenn, dann eher mit einem gesunden Mix diverser Energieformen als nur mit Erneuerbaren.
Richtig ist aber auch, dass ein Land wie Frankreich, das in der Vergangenheit deutlich mehr auf Atomkraft gesetzt hat wie Deutschland, diese sicher noch mindestens zwei Jahrzehnte brauchen, wenn auch die Franzosen ihren Beitrag zur Erfüllung des Pariser Klimaabkommens erreichen wollen
Verstehe ich das jetzt richtig, dass Du ernsthaft denkst, dass die Deutschen ohne Kernenergie die Ziele von Paris eher erreichen werden als die Franzosen mit Kernenergie? Falls ja, da nehme ich JEDE Wette dagegen an. Aber echt JEDE um nahezu fast JEDE Summe.
Im Übrigen wäre bei einer konsequent liberalen Haltung die Atomkraft maximal unwirtschaftlich. Weil zu einer konsequent liberalen Haltung gehört für mich, dass sämtliche Versicherungskosten und Entsorgungskosten die Betreiber übernehmen müssten und nicht der Staat.
SMR's wären total sicher, ein SuperGau wäre technisch gar nicht möglich. Es gibt keinen Grund wieso private Rückversicherer diese Kraftwerke nicht versichern würden. Ebenso könnte man vernünftige Entsorgungs- und Endlagerungslösungen finden, wenn die Politik es denn zu lässt. Natürlich wären das dann Kosten, die allein der Betreiber aufbringen müsste und die entsprechend in die Preise für Konsumenten einfliessen würden.
Die Behauptung dass Atomkraft dann nicht mehr wirtschaftlich wäre, müsste auch erstmal erwiesen werden. Es ist ja heute der Gesetzgeber, der Kernenergie quasi kriminalisiert und unglaublich verteuert hat. Siehe dazu Robert Zubrin bei Powerhour (zwar auf die USA bezogen, aber dennoch augenöffnend).
Meine Meinung ist halt, dass der Staat mit dergleichem Unfug aufhören soll und im Gegenzug die Betreiber alle Kosten tragen sollen.[ Ausser die, die die Atomgegner selber verursachen (wie die Polizeikosten bei Demos gegen Castortransporte.)]
Generell ist es für mich pseudo-liberal, wenn man zwar uneingeschränkt konsumieren will, aber umwelt- und klimabedingte Folgekosten des Konsums sozialisieren will.
Was genau schwebt Dir denn da vor? Generell ist die Internalisierung externer Effekte ja durchaus eine Staatsaufgabe, aber man muss schon konkret begründen was das genau für Effekte sein sollen. Bei der Kernenergie jedenfalls sehe ich da eigentlich keine, solange die oben angesprochenen Kosten von den Betreibern übernommen werden.
