Transparenz schließt Hilfe bei der Interpretation nicht aus (Forum)
In einer Stadt gibt es zwei Ärzte, die Kreuzbandverletzungen behandeln. Es handelt sich um Dr. Kurz und Dr. Schneider. In der folgenden Tabelle ist ersichtlich, wie viele Patienten mit einer solchen Verletzung die beiden Ärzte gehabt haben wie oft dabei Komplikationen aufgetreten sind.
Dr. Kurz:
4000 Patienten gesamt, davon 600 mit Komplikationen (entspricht 15%)
Dr. Schneider:
3000 Patienten gesamt, davon 690 mit Komplikationen /(entspricht 23%)Auf Grundlage dieser Statistik würde jeder den Schluss ziehen, dass Dr. Kurz der bessere Arzt ist. Jetzt betrachten wir die Zahlen genauer mit zusätzlichen Informationen:
Dr. Kurz:
3200 Patienten unter 40 Jahre, davon 320 mit Komplikationen (entspricht 10%)
800 Patienten über 40 Jahre, davon 280 mit Komplikationen (entspricht 35%)Dr. Schneider:
1000 Patienten unter 40 Jahre, davon 90 mit Komplikationen (entspricht 9%)
2000 Patienten über 40 Jahre, davon 600 mit Komplikationen (entspricht 30%)Sowohl bei der Gruppe der Jüngeren als auch bei der Gruppe der Älteren ist die Quote der Behandlungen mit Komplikationen bei Dr. Schneider geringer als bei Dr. Kurz. Ist vielleicht doch Dr. Schneider der bessere Arzt ?
Keine Ahnung, vielleicht lehnt aber Dr. Schneider alle Patienten die Ihm "problematisch" vorkommen auch ab, hat deswegen weniger Patienten, aber eine bessere Quote in den Altersklassen. Dein Beispiel zeigt aber, dass mehr Informationen besser ist als weniger Informationen, zumindest für denjenigen der sich die Zeit nimmt selbst nach zu denken.
Das Beispiel zeigt, dass eine scheinbar offensichtliche Schlussfolgerung vielleicht doch falsch sein kann und selbst der mündigste Bürger nicht in der Lage sein kann, wirklich richtige Schlussfolgerungen zu ziehen.
Und warum sollten mit den gleichen Informationen dann die Medien, die Politiker oder wer auch immer besser in der Lage sein "wirklich richtige Schlussfolgerungen zu ziehen"?
Deshalb ist mit die Antwort, möglichst große Transparenz bei den Kriminalstatistiken und der Bürger kann dann selbst seine Schlussfolgerungen ziehen, auch zu einfach. Natürlich kann keine Transparenz auch nicht die richtige Antwort sein.
Mir ist es halt lieber, zumindest bei Themen die mich wirklich interessieren, wenn ich zumindest die Chance habe mir aus Fakten eine eigene Meinung zu bilden und ich denke auch Dir wären solche Fakten lieber, wenn Du, um bei Deinem Beispiel zu bleiben, Dich für einen der beiden Ärzte entscheiden musst. In dem Fall liegen die Werte sehr nah beisammen, aber als über 40 Jahre würde ich, mit den vorliegenden Fakten, Dr. Schneider wählen, da er mehr Erfahrung in dieser Altersklasse hat.
Bei der Entscheidung würde mir ein "Wir haben zwei gute Ärzte in der Stadt, beide haben studiert, sind fleißige Steuerzahler und bei beiden sind die Patienten sehr gut aufgehoben." nicht weiter helfen.
Insgesamt ist das ein schwieriges Thema, für das es keine einfachen Antworten gibt.
Stimmt 
