Mit Statistiken ist da so eine Sache (Forum)

Statistiker, Saturday, 17.12.2016, 00:29 (vor 3412 Tagen) @ domlöwe

Man könnte über das betrachten purer deskriptiver Statistiken hinausgehen und eine Regressionsanalyse machen. So könnte man in Erfahrung bringen, welche Merkmale eines Menschen die Wahrscheinlichkeit für eine kriminelle Aktivität signifikant erhöhen, und welche nicht. Dafür wären neben der Nationalität bzw. Ethnizität weitere Eigenschaften der Täter, wie Alter, Geschlecht, Einkommen, Schulabschluss, Berufsqualifikation, Wohnort usw. interessant.

Junge Menschen sind öfter kriminell als Alte.
Männer sind öfter kriminell als Frauen.
Arme Menschen sind öfter kriminell als reiche Menschen.
Menschen mit einem niedrigem Schulabschluss und schlechterer Berufsausbildung sind öfter kriminell als solche mit höherem Schulabschluss und besserer Berufsausbildung.
Menschen in urbanen Gebieten sind öfter kriminell als Menschen in ländlichen Gebieten.
Und ja, "Ausländer" sind öfter kriminell als "Nicht-Ausländer".

Aber eben nicht nur das. Sie sind im Vergleich zu "Deutschen" nunmal auch eher jung, eher männlich, eher ärmer, eher ungebildeter und leben eher in urbanen Gegenden als auf dem Land. Somit ist es im ersten Moment nicht weiter verwunderlich, dass die Ausländerkriminalitätsrate weit über dem Ausländeranteil der Bevölkerung in Süden Oberbayerns liegt. Es kann aber gut sein, dass das "Ausländer sein" der in der Kriminalitätsstatistik aufgeführten Personen überhaupt nicht das ausschlaggebende Merkmal für deren Kriminalität ist. Mit den Methoden der Regressionsanalyse (zum Beispiel die Methode der kleinsten Quadrate: https://de.wikipedia.org/wiki/Methode_der_kleinsten_Quadrate könnte man Merkmale wie Einkommen, Alter usw. herausrechnen und herausfinden, ob Ausländer auch unabhängig von diesen Merkmalen straffälliger sind als Deutsche. Aus den Ergebnissen könnte man dann die entsprechenden Politikempfehlungen ableiten. Ist das "Ausländer sein" ausschlaggebend für Kriminalität, müssten die Grenzen besser gesichert werden und die Zuwanderung strenger kontrolliert werden. Sind Faktoren wie Einkommen, Alter oder Bildung entscheidend, wären Investitionen in Integration, Sprachkurse, Schulen, soziale Einrichtungen, Jugendförderung usw. zielführender. Außerdem wäre in diesem Fall die Stigmatisierung von "Ausländern" und deren mutmaßlicher Neigung zur Kriminalität Gift.

Leider scheinen die Daten weiterer interessanter Merkmale von straffällig gewordenen Menschen nicht öffentlich zugänglich zu sein, oder sie werden von der Polizei erst gar nicht erhoben.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion