Ideen für Satzungsänderung(en), um diesen Irrsinn zu bremsen (Forum)

NördlingerLöwe, Tuesday, 18.06.2024, 16:07 (vor 619 Tagen) @ Kraiburger
bearbeitet von NördlingerLöwe, Tuesday, 18.06.2024, 16:14

Servus mitnand,

seit Jahren bin ich stiller Mitleser, habe früher auch im lf geschrieben und mich vor rund zehn Jahren auch schon mal mit Satzungsthemen bei den Löwen beschäftigt. Deswegen möchte ich hierzu ein bisschen Input liefern, auch wenn ich selbst seit Sechzig nach dem Aufstieg in die 3. Liga wieder Geld von HAM genommen hat kein Mitglied mehr bin. Ggf. ändert sich das durch die aktuellen Entwicklungen bald wieder.

Lagerwahlkampf
Angesichts der Umstände, dass es bei Sechzig mindestens zwei gewichtige Gruppen mit extrem divergierenden Einschätzungen dazu gibt, wie der Verein (und seine Tochtergesellschaft) geführt werden soll, halte ich die Listenbildung vor einer MV inwzischen eher für positiv als negativ. So weiß jede Wählerin, was sie von den Personen, die sie wählt, bekommt. Man kauft nicht die Katze im Sack. Dass dies schade ist für die "unabhängigen Kandidierenden" sehe ich nicht unbedingt als Nachteil. Der oft genannte Gernot Mang oder andere haben die Chance, sich in den Netzwerken einzubinden und einzubringen, die die Listen aufgestellt haben, und dort zu überzeugen, oder selbst solche Netzwerke aufzubauen. Diese Fähigkeit ist eine, die dem e.V. zugute kommt, sollte eine Kandidatin Verwaltungsrätin werden. Nicht anders ist es auch in der "großen" Politik. Entweder man arbeitet sich in den bestehenden Netzwerken aka Parteien nach oben, oder man baut eben selbst eine(s) auf. Als Unabhängige hat man es schwer.

Nichts desto trotz sind solche Auswüchse wie in den vergangenen Wochen natürlich nicht wünschenswert. Genauso wie es nicht wünschenswert ist, dass die aktuell Machthabenden jahrzehntelang tiefe Gräben in den Verein reißen mussten, um ihre - meiner Einschätzung nach berechtigten - Anliegen im Zusammenhang mit den Löwen umsetzen zu können. Die Lagerbildung und Politisierung der MVs sollte also gemindert werden. Nur wie?

Verwaltungsratswahl

Vorstellbar sind Modelle, bei denen die Wählenden weniger als die aktuellen neun Stimmen haben, damit der Sinn der Listenbildung abnimmt. Mit jeder Stimme weniger wird das Bilden einer Liste weniger attraktiv. Bei nur einer Stimme pro Wählendem ist eine Listenbildung sinnlos. Ergo: Listenbildungen können vermieden werden, wenn jede(r) nur noch eine Stimme hat. Das hätte zur Folge, dass definitiv die Extrempunkte der verschiedenen Lager im VR vertreten sind. Weil eben die Voten beider Seiten nicht mehr im Block vergeben werden, sondern sich auf die Mitglieder jedes Blocks verteilen. Ismaik Hin oder Her, die dahinterstehende Frage, wie viel wirtschaftlichen Einfluss Externe im Profifußball haben sollen, wird nicht mehr verschwinden. Die logische Konsequenz ist, dass wir in diesem Modell einen dauerhaft zerstrittenen Verwaltungsrat haben werden. Leaks an die Presse und die eigenen Interessensgruppen sind sehr wahrscheinlich, was wiederum ein weiterer Antreiber der Spaltung wäre.

Dieser Effekt mildert sich zwar mit jeder Stimme pro Mitglied mehr als 1 bis hin zu den ursprünglichen neun ab. Gleichzeitig steigt aber eben wieder mit jeder Stimme der Anreiz zur Listenbildung, und man hätte nichts gewonnen. Des is also auch nix.

Dann gäbe es noch die Möglichkeit, mehrere Stimmen auf eine Person zu verteilen. Mitglied A kann eine Stimme neun Kandidaten geben, oder neun Stimmen einer Kandidatin, oder drei Stimmen Kandidat A, vier Kandidat B, zwei Kandidat C, usw. Man wird aber vermutlich zum gleichen Ergebnis kommen, dass die Extrempunkte der Lager die meisten Stimmen bekommen und Listen vorgeschlagen werden. Am vergangenen Sonntag hätten wir mit diesem Wahlmodus höchstwahrscheinlich ein anderes, gespalteneres Ergebnis bekommen. Das ist, unabhängig davon welches Lager sich durchsetzt, wegen der oben angesprochenen Leakgefahr und damit weiteren Spaltung, meiner Einschätzung nach keine Verbesserung.

Ebenfalls denkbar, aber wohl endgültig zu kompliziert und zeitaufwendig, wäre ein Modus, in dem Wählende jedem Kandidaten Punkte verteilen. Bei 30 Kandidierenden würde die liebste Kandidatin 30 Punkte bekommen, der Zweitliebste 29 Punkte, der Unbeliebteste nur noch einen. Hätte den Charme, dass sich die Extrempunkte aus den einzelnen Lagern gegenseitig etwas "rauskürzen". Praktisch ist es aber wohl nicht umsetzbar, jedem Wählenden eine Präferenzordnung von 30 Kandidierenden abzuringen. Vom zeitlichen Aufwand ganz abgesehen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn man am Wahlmodus dreht, sehe ich die große Gefahr einer Verschlimmbesserung. Es ist schon ganz gut so, dass man im Verwaltungsrat im Großen und Ganzen an einem Strang zieht, grundsätzlich unabhängig von der einen Richtung, in die man dann zusammen als VR geht.

Bedeutung des Verwaltungsrats

Der Verwaltungsrat ist 2024 aus zwei Gründen so ins Zentrum gerückt worden: Er unterbreitet den einzigen Wahlvorschlag für das Präsidium 2025 (und die darauffolgenden Präsidiumswahlen). Das Präsidium wiederum schlägt vor, wer für den e.V. im Aufsichtsrat der KGaA sitzt und damit maßgeblich Einfluss auf den Profifußball nimmt. Ergo ist der Verwaltungsrat des e.V. der Schlüssel zur Macht in der KGaA. Wenn man Druck von der Verwaltungsratwahl nehmen will, sind das die Punkte, an denen man ansetzen kann.

Direktversendung e.V-Vertreter von MV in KGaA

Laut Satzung führt das Präsidium die Geschäfte des e.V. Das macht es, weil es die Mitgliederversammlung nicht kann. Nicht jede Handlung des e.V. im "Tagesgeschäft" kann von der Mitgliederversammlung entschieden werden, weil die eben nur einmal im Jahr ordentlich zusammentritt. Diese Flexibilität in der Geschäftsführung ist u.a. notwendig, um im Vereinsalltag auftretende Situationen zügig lösen zu können. Nichts anderes gilt für das Management der Beziehung zwischen e.V. und KGaA.

Wenn die MV einen e.V.-Vertreter direkt in die KGaA wählt, sitzt dieser Vertreter dort mindestens ein Jahr und ist somit für ein Jahr der Kontrolle der MV und damit zunächst einmal auch des e.V. entzogen. Das ist nicht wünschenswert. Man könnte e.V.-Gremien mit Kontrollrechten des e.V.-Vertreters in der KGaA ausstatten. Damit würde man den e.V.-Gremien aber aufbürden, im Konfliktfall ggf. einen von der MV entsendeten Vertreter abzuschießen. Zur Befriedung trägt das wohl auch nicht bei.

Um die Vorgänge im Verhältnis zwischen e.V. und KGaA vernünftig einschätzen und entsprechend vernünftig handeln zu können, muss man darüber hinaus Kenntnisse haben, die innerhalb des e.V. oder im Verhältnis zwischen e.V. und KGaA liegen und ggf. aus gutem Grund nicht öffentlich bekannt sind. Deswegen sind für die Entsendung eines Vertreters des e.V. in die KGaA die Gremien die richtigen, die diese internen Vorgänge kennen. Und das ist das Präsidium und der Verwaltungsrat des e.V., und nicht 2.500 Leute auf einer MV.

Die KGaA braucht für sportlichen Erfolg eine gewisse Konstanz. Wenn nach fünf Niederlagen in Folge 650 Leute eine außerordentliche MV einberufen können um den e.V.-Vertreter in der KGaA abzuschießen, ist das denke ich auch der nachhaltigen Entwicklung der KGaA nicht zuträglich. Derartige Entscheidungen sollten durch Präsidium und Verwaltungsrat laufen.

Deswegen ist die Direktversendung eines e.V.-Vertreters in die KGaA von der MV meiner Einschätzung nach abzulehnen.

Möglichkeit mehrerer Kandidaten für das Präsidium

Wenn Ismaik und das BZ am Ball bleiben, steht uns 2025 dieselbe Schlammschlacht ins Haus. Durch eine Nichtwahl von Robert Reisinger können sie die Kräfteverhältnisse in e.V. und KGaA ändern. Diesen Konflikt rund um die Wahl des Präsidiums wird man nicht durch Satzungsänderungen verändern können, sondern allenfalls durch sportlichen Erfolg der KGaA mit dem aktuellen Kurs. Man kann aber zumindest verhindern, dass die Schlammschlacht bei der Wahl des Präsidiums und des Verwaltungsrates stattfindet, sondern nur bei der Präsidiumswahl. Indem man das Vorschlagsrecht für Kandidaten fürs Präsidium nicht nur dem VR zuteilt, sondern auch den Mitgliedern. So eröffnet man oppositionellen Mitgliedern die Möglichkeit, eigene KandidatInnen fürs Präsidium aufzustellen und so einen Kurswechsel in e.V. und KGaA herbeizuführen. Aber eben regulär nur alle drei Jahre, und nicht zweimal in drei Jahren. Damit entfällt die Gatekeeper-Funktion des VR fürs Präsidium und damit auch in weiten Teilen für die KGaA, und er kann sich auf seine anderen Pflichten innerhalb des e.V. kümmern, ohne politisch so in den Fokus zu rücken wie in den letzten Jahren. Und wir würden die Anzahl der Schlammschlachten alle drei Jahre um 50 % reduzieren.

An diesem Punkt stellt sich dann eben die Frage, ob man zur Befriedung ein Einfallstor für die Opposition aufmachen will. Oder ob es dann so, wie es ist, vielleicht nicht doch die am wenigsten schlechte Lösung ist. Schließlich steht es oppositionellen Kräften ja jederzeit frei, sich dahingehend für eine Satzungsänderung stark zu machen.

Unter Abwägung dieser Gründe komme ich für mich zu dem Schluss, dass alles so bleiben sollte, wie es ist, solange es so ist, wie es ist.


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