Hiob spricht... (Forum)

Schindluder (inzwischen gesperrt) @, Wednesday, 17.10.2018, 12:35 (vor 2802 Tagen) @ Fred

Das ist für mich ein krasser Systemfehler, für den es keine echte Lösung gibt. Die relativ kurze Legislatur führt dazu, dass bereits nach 2 Jahren wieder der Wahlkampf beginnt. Das heißt die Zeit die wirklich großen Themen (Bund: Krankenversicherung, Rente, Klimaschutz, Digitalisierung; soziale Gerechtigkeit (Vermögensverteilung) Land: Infrastruktur, Bildung und Kommune: Wohnraum, Infrastruktur) ernsthaft zu bearbeiten, oder gar Reformen umzusetzen, ist einfach nicht da. Weil all diese Themen eben quer durch die Bevölkerung Gewinner und Verlierer erzeugen und zumeist mit unangenehmen Wahrheiten verbunden sind. Dass Renten real sinken müssen, Krankenversicherungskosten steigen müssen, Klimaschutz Geld und Arbeitsplätze kostet (zumindest zu Beginn), der private Konsum ressourcenbeding deutlich reduziert werden muss, usw... Viele wissen das - hören will das doch niemand. Die Partei, die solche Dinge ausspricht und verantwortet ist doch tot. Also: Wir reden über die Probleme und ignorieren die daraus resultierenden Lösungen, weil sie unangenehm sind. Beispiel Rente: Seit Ende der 70er ist das Demographiedilemma bekannt. Wie mir eine Demographin bildhaft vermittelte, bekommen nicht geborene Frauen auch keine Kinder. Auch Pillenknick genannt. Einzige echte Lösung: Verlängerung der Lebensarbeitszeit in Korrespondenz zur steigenden Lebenserwartung und Gesundheit. Aktivitäten in diesem Thema seit 1980: Keine. Ah sorry: Senkung des Rentenalters für einige Sondergruppen. Das ist Irrsinnig. Und ohne Ausweg: Weil es kein Politiker der irgendwie nicht mit dem Scheißbesen verjagt werden möchte, aussprechen kann. Einzige Lösung: Der gemeinwohlorientierte Diktator. Den gibt's aber leider nicht, weil wir arme triebgesteuerte Geschöpfe sind. Ich sehe langfristig schwarz für uns. Weil die aus unserem Versagen resultierenden Konsequenzen (klima- und kriegsbedingte Massenfluchtbewegungen, fortschreitende Verseuchung natürlicher Lebensgrundlagen, Massenaltersarmut) unsere Gesellschaft sprengen werden. Die aktuelle Populismuswelle ist nur ein Vorbote, wie ein weit entfernter Donner vor einem schweren Gewitter.

Aber am Ende ist vermutlich doch nur eines wirklich entscheidend: Dass Sechzge gwinnt. In diesem Sinn. Einmal Löwe immer Löwe :-)

Grüße aus der fiesen Realität
Fred

Das mit dem Systemfehler ist aus meiner Sicht richtig. Wobei man unterscheiden sollte zwischen dem Wirtschaftsystem (a) und dem politischen System (b).

a) gehört abgeschaft, schon alleine weil Überlegungen zu weniger statt mehr (Komsum, Wachstum usw.) in einem System das zwingend auf Wachstum angewiesen ist (sonst ist es per Definition nunmal kein Kapitalismus mehr) nur Sinn machen in einem alternativen Wirtschaftsystem, das nicht der Kapitalverwertungslogik alle anderen Interessen unterordnen muss. Für mich ist das in der Tat der spingende Punkt, den man endlich mal seriös diskutieren sollte (passiert aber ausser bei Arte Montags um 23:30 nicht, Da macht man lieber der 100te Sendung zum Thema Migration, die ja nebenbei bemerkt auch eine Folge des Wirtschaftsystems ist).
Diese ganzen Vorschläge für nachhaltiges Wirtschaften usw, vergessen meiner Meinung nach, dass dafür die richtigen Rahmenbedingungen herrschen müssten und machen damit auch den zweiten Schritt vor dem Ersten. Die paar "Ökospinner" (wozu ich wohl auch gehöre) die das unter den derzeitigen Verhältnissen bereits praktizieren mögen sich zwar selber gefallen, ändern tun sie aber, ausser für sich selbst, nix.

b) gehört refomiert. dazu gibt es verschiendene Ansätze. Mir gefällen z.b. die Vorschläge in diesem Buch ganz besonders gut.


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