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Vielleicht hast du aber auch ein Problem mit dem Begriff "Neutralität" im journalismus?
Neutralität bedeutet, dass sich der Journalist nicht mit der ihm vertrauten Sache gemein machen soll. Dass er sachlich, frei von Meinung und "neutral zu bewerten" hat. Und er natürlich auch zu bedenken hat, dass es eine Gegenseite gegen kann, deren Eindruck er mit einfließen lassen sollte.
Das Gegenteil von dem sind zb Meinungsbeiträge wie griss sie fabriziert oder wie sie in den großen privaten Medienhäusern von RTL über italia2 bis hin zu Fox entwickelt werden.
Neutralität im Journalismus bedeutet aber nicht, mit Kampf eine Gegenteilige Meinung zu suchen, zu kreieren oder zu pushen, nur um eine "ausgewogene Berichterstattung" zu suggerieren. So hätten es viele radikale Kräfte am liebsten um die Souveränität des Staates zu unterwandern. Aber das ist keine "Neutralität".
Wenn dir die Meinung, welche im ÖR wiedergegeben wird, nicht gefällt dann ist das dein gutes recht. Aber es ist nicht die Pflicht des ÖR, die gegenteiligen ständig zu publizieren. Sondern sie zu sichten, sie zu bewerten, ggf kurz zu erwähnen und sie dann in die Tonne zu treten.
Gerade bei dem von dir angeführten FOX kann man das ja sehr gut sehen: Ein politischer Tendenzkanal. Da machen die auch garkein Geheimnis draus. Unabhängig von der eigenen Position kann man sich hier also eine konservativ bis rechtsradikale Position anhören. Das wissen auch alle, der Laden verdient genau damit sein Geld.
RTL ist ja eher plumper Boulevard, der lebt allgemein von einer Berichterstattung, die auf Empörung basiert; egal, wie man diese generiert. Naturgemäß kann sich da das Bild in der Berichterstattung auch mehrmals um 180 Grad drehen. Auch dieser Sender verdient damit sein Geld.
Ein gebührenfinanzierter ÖR mit einem Informationsauftrag hat diese Freiheiten nicht. Er hat aus meiner Sicht unterschiedliche Meinungen darzustellen. Diskutieren kann (und muss!) so eine Einrichtung in Meinungsformaten, die dann aber auch nicht allzu einseitig besetzt werden dürfen. Berichte haben zumindest die großen Meinungsströme abzubilden, das kann durchaus eine wertfreie Erwähnung sein, ÖR hat aber Abwertungen zu unterlassen. Klar, es muss, wo du auch hinargumentierst, nicht jede blödsinnige, unfundierte Mindermeinung von Kleinstgruppen hoch aufgehängt werden. Tut der ÖR teilweise trotzdem.
Guter Journalismus ist mehr, als Pressemeldungen abzuschreiben. Dazu gehört ggf. auch ein eigenes, internationales Korrespondentennetz. Das kostet Geld, was genau dafür in den ÖR gekippt wird. In der Ukrainekrise sah man das dann gut: Für viel Geld hat man ein Netzwerk in Moskau. Als es gebraucht würde, waren die ÖR-Medien mit die ersten, die dort garniemanden mehr hatten. Andere Medien haben weiterberichtet, oft sogar von Tag 1 an aus Kiew; und zwar genau zu dem Zweck, nicht nur Propagandameldungen beider Seiten abschreiben zu müssen. Was dann also von dem vielen ÖR Geld übrig bleibt, sind Bergdoktor und Traumschiff; und da sind wir dann wieder beim Niveau RTL, wofür ich keine Zwangsgebühren brauche.
