Luxl und die Liebe (Forum)

hjs historisch, Saturday, 17.08.2024, 13:33 (vor 560 Tagen) @ BlueMagic

Simmer weit weg von Luxemburg, gell.

Die Zweifel an der Vorbildrolle der Stauffenberg-Gruppe hast du richtig beschrieben.
Hinzu kommt, das waren das vielfach durchaus keine "lupenreinen Demokraten", sondern eher autoritär Denkende, z.B. auch viele Ex-DMVP-ler. Man muss auf der anderen Seite sagen, dass auch diese ja noch bis in die 60er-/70er-Jahre angefeindet wurden, weil die Soldaten natürlich ihren Eid verletzten beim Attentat. Da erfordete das Betonen des Muts dieser Leute schon zeitweise selbst etwas Mut, es konnte zumindest Widerspruch hervorrufen. Zumal ja nicht nur Militärs involviert waren, sondern auch Leute wie Leuschner oder Goerdeler.

Was die Weiße Rose angeht, so waren die alle jung (bis auf Professor Huber) und politisch insofern auch noch reichlich schwankend. Ihr reiner Mut bleibt für immer.
Die andere Seite - wofür sie nichts können - ist: Das In-den-Mittelpunkt-Stellen der Weißen Rose, wie es in den 70er- und 80ern an der Tagesordnung war und vielfach noch ist, hat auch sein Geschmäckle. Denn es lässt den politischen (v.a. KPD, SPD, Teile Zentrum) und kirchlichen Widerstand außer Acht. Der galt lange als politisch und insofern nicht rein. Vielfach kennt man bis heute nicht mal alle Namen und Geschichten. Weiße Rose ist einfacher, dahinter konnten sich alle versammeln.

Mir als jemand, der jetzt sechs Jahre an einer Schule gearbeitet hat, die wahnsinnivg viel dafür tut, dass ihre Namenspatronin Sophie Scholl immer aufs Neue Schülerinnen bewusst wird, drängt sich folgender Gedanke immer mehr auf: Wieviel ist dieser persönliche Mut wert, wenn die Chancen so minimal klein sind? Konstantin Wecker singt deshalb "Es ging ums Tun und nicht ums Siegen." Tut es das wirklich? Das ist dann eine persönliche Ethik, deren Erfolgsaussichten sehr gering stehen. Kant statt Mill. Es hängt vielleicht mit dem Alter zusammen, dass ich da ein wenig zweifle. Und wenn man diesen Gedanken weiter verfolgt, dann ergibt das Gedenken an die Attetäter vom 20. Juli doch wieder Sinn.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion