@ Blue Magic (Forum)

BlueMagic, Tuesday, 12.04.2022, 23:25 (vor 1463 Tagen) @ BlueMagic

Eine Ergänzung ist mir noch eingefallen:
Die meisten auf der Insel Islay hergestellten Whiskys sind vom Grundcharakter her torfig-rauchig, insbesondere die von der Südküste: Ardbeg, Lagavulin, Laphroaig. Etwas weniger, aber auch deutlich torfg: Bowmore.
Weniger torfig sind grs. Bunnahabhain und Bruichladdich. Beide Destillerien sind aber in den letzten Jahrzehnten auf die grosse Erfolgswelle der torfigen Whiskys aufgesprungen und produzieren jetzt auch stärker getorfte Varianten. Bei Bruichladdich sind das vor allem der Port Charlotte und der Octomore. Beim Octomore gehen die Phenolwerte im Malz hoch bis auf über 200 ppm. Zum Vergleich: bis in die 2000er Jahre hinein galt Ardbeg als der Whisky mit dem höchsten Phenolgehalt: 50-55 ppm. Laphroaig und Lagavulin ca. 30-40 ppm. Bowmore etwa 25 ppm.
Ich liebe die meisten Lagavulins, Laphroaigs, Ardbegs und Bowmores. Geiles Zeug, wenn man den Rauch und den oft etwas medizinischen Charakter mag. Speziell auch wenn noch Sherryfässer zum Rauch dazu kommen und alles schön eingebunden ist.
Von den irre hoch getorften Octomores von Bruichladdich hat mir noch keiner geschmeckt. Manche Port Charlottes gehen gut, kommen aber m.E. an die anderen getorften nicht dran.
Der Lochindaal dürfte irgendwo zwischen Octomore und Port Charlotte liegen.
Einer der Hauptgründe warum die geforften Malts der anderen Islay-Destillerien besser sind hat m.E. mit der Höhe der Brennblasen zu tun. Bruichladdich hat die höchsten auf Islay, weil die Destillerie erst Ende des 19. Jahrhunderts geplant gebaut wurde. Man hat für die hohen Brennblasen ein hohes Stillhouse geplant. Die anderen sind alle aus kleinen Farmdestillerien hervorgegangen und haben daher niedrigere Brennblasen. Das führt dazu, dass der Whisky schwerer und öliger ist, als der von Laddie. Bei Laddie haben die Alkoholmoleküle einen weiteren Weg nach oben. Die schweren, grossen Moleküle fallen während der Destillation immer wieder runter und werden weiter fraktioniert bis sie leicht genug sind um ganz nach oben zu gelangen. Deshalb ist der Whisky von Laddie leichter. Bei den niedrigeren Brennblasen schaffen es mehr schwerere Moleküle bis nach oben. Das gibt vor allem auch den S0dküsten-Islays ihren typischen schweren und öligen Stil, was m.E. hervorragend mit Rauch und Torf harmoniert.
Bei einer Führung und Verkostung bei Bruichladdich haben sie uns voller Stolz ihren hochtorfigen Octomore kredenzt. Ich war enttäuscht, habe das kundgetan und dem Guide vorgeschlagen, dass sie ihr Wort (Bier ohne Hopfen mit 8-9% Alk., das dann destilliert wird) mal zu Ardbeg zu bringen und es dort in den niedrigen Brennblasen destillieren zu lassen. Der war ziemlich entsetzt. Ich glaube da hat mich nur die grundsätzliche Freundlichkeit der Schotten vor einem Rauswurf bewahrt...

Viel Spass beim Durchprobieren der ganzen guten Tropfen. Aber bitte nicht unbedingt die Einstiegsdrogen (35-50€) der Destillerien nehmen, sondern die mittleren Preisklassen so zwischen 60 und 100 €. Es lohnt sich meist jeder Cent. Immer schön nach dem Motto: lieber weniger Alkohol, dafür besseren. Also lieber nur eine gute Flasche pro Jahr und die bei den richtigen Gelegenheiten geniessen. Dafür aber auf den einen oder anderen Obstler und das eine oder andere Bier verzichten.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion