Ist Jan Böhmermann links? (Forum)

Nikiforov, Friday, 27.11.2020, 10:46 (vor 2039 Tagen) @ Sohn des Landes der Schweiz-Bezwinger !

Schweden hat z.B. eine sehr hohe Staatsquote und die machen das doch ganz gut.


An Schweden finde ich auch vieles ganz gut. Wenn auch nicht unbedingt die Staatsquote, die allerdings auch nicht soviel höher als die in Deutschland oder Luxemburg ist. Bspw. die eher niedrigen Unternehmenssteuern, die School Vouchers oder die Tatsache, dass die Schweden ein Volk von Aktienbesitzern sind.

Wir finden unterschiedliche Dinge gut, aber das macht nix. In Schweden können alle gut leben.

Es gibt halt bei mir Grenzen des Marktes, bei Daseinsvorsorge und Bildung beispielsweise. Auch beim Wohnen versagt der Markt teilweise, aber das weißt Du ja alles.


Der Wohnungsmarkt ist für mich eher überreguliert und ich bin kein Freund von staatlichen Monopolen, auch nicht in den Sektoren Bildung und Gesundheit. Das behindert Investitionen, Wachstum und Vielfalt in diesen Bereichen.

Let`s agree to disagree. Es ist auch nicht die Frage, wovon man Freund ist. Das ist Ideologie. Die Frage ist, was für die Menschen funktioniert (oder weniger versagt...).

Grundsätzlich wünsche ich mir ein anständig finanziertes Gemeinwesen, das legitime kollektive Ziele verwirklicht. Und da gibt es meistens Streit mit den Liberalen.


Das kann ich mir vorstellen. Da haben Liberale andere Vorstellungen. Jedenfalls wenn die Finanzierung dieses Gemeinwesens nicht freiwillig wäre.

Das Grundgesetz ist ja auch nicht freiwillig, sondern verbindlich. Man muss gewisse Freiheiten abgeben - zum Beispiel, die Freiheit alle umzulegen, die einem nicht passen oder die Freiheit in den Trinkwasserbrunnen zu kacken - um wirklich gut leben zu können.

Hmmm, das Kapital kann das dummerweise... und schon brauch ich wieder nen Staat oder besser noch was Übergeordnetes.


Dafür gibt es ja bi- und multilaterale Abkommen zwischen einzelnen Staaten und auch supranationale Organisationen wie bspw. die EU, die dann auch den Verkehr von Personen, Waren, Gütern und Dienstleistungen regeln können.

Die machen aber nicht, was die Merheit der Menschen wünscht, sondern das, was das Kapital für erforderlich hält.

Theoretisch völlig in Ordnung. In der Praxis viel problematischer. Wenn ein legaler Einwanderer arbeitslos wird, landet er also in der Gosse oder wird deportiert? Wieviele Erdbeeren muss man gepflückt haben, um die Bandscheiben-OP bezahlt zu kriegen?


Krankenversicherungen sollte es schon geben. Am besten private.

Bürgerversicherung, bitte. Wir sind hier nicht im Spielcasino ;-)

Zugleich gehe ich davon aus, dass islamistischer Terrorismus ein kleineres Problem wäre, wenn wir mit unseren westlichen Werten nicht ständig muslimische Länder niederbomben und gegeneinander aufhetzen würden (mit ständig meine ich seit XXX Jahren).


M.E. wäre es am wichtigsten, seine eigenen Werte endlich mal klar zu definieren und diese offensiv zu propagieren. Dann gäbe es automatisch weniger Islamismus und somit auch Terrorismus.

Im Nahen Osten muss Du niemanden gegeneinander aufhetzen, da hassen sich die diversen (ideologischen/ethnischen) Gruppen auch ganz ohne westliche Einflussnahme. Ich gebe Dir aber recht, dass der Irakkrieg ein riesiger Fehler war, gegen den ich von Anfang an war.

Und jetzt liest du bitte nochmal nach, wie der Irak gegründet wurde.
Dann überlegen wir, welchen der Irakkriege du eigentlich meinst.
Der Westen hat diese Region seit Jahrhunderten versaut. Ebenso wie Afrika wäre die Gegend ohne die Pfuscherei des Westens natürlich keine Insel der Seligen, keiner weiß, wie sie sich entwickelt hätten. Aber an den Problemen wären sie dann eben selbst schuld. So hängen wir für immer(?) mit drin. Alles andere ist Augenwischerei.

Für die Definition "schlechter Teile" einer Kultur haben wir überhaupt keine Maßstäbe. Saufen und Schweinefleisch ist gut, Kopftuch und Ramadan böse?


Die Maßstäbe für "gut" und "schlecht" sind an sich ganz einfach. Alles was die Rechte Anderer verletzt, ist schlecht und wird bekämpft, weil die Freiheit des Einzelnen geschützt werden muss. Alles was dem eigenen Leben förderlich ist, ist gut. Kopftuch und Ramadan sind also nicht verboten, wohl aber bspw. FGM, Gewalt in der Familie oder Hasspredigten. Genau das meinst Du ja auch mit dem Grundgesetz. Alles, was nicht die Rechte einer anderen Person verletzt oder gefährdet, aber irgendwie doch nicht in eine aufgeklärte Gesellschaft passt, wird zwar nicht vom Staat verboten werden, wird aber u.U. gesellschaftlich geächtet. So wie man ja auch den rassistischen Onkel meidet. Da vertraue ich auf die Selbstregulierung der Menschen untereinander.

Einverstanden. Dafür brauchen wir aber den echten Willen aller und vor allem auch Zeit.
Falls Du nochmal antwortest und ich mich nicht mehr melde, nicht böse sein. Ich glaube es ist klar geworden, was uns verbindet und was uns trennt. Danke für den Austausch.


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