Erfahrungsbericht Flüchtlingshilfe (Forum)
Falls es jemanden interessiert, hier meine Zusammenfassung zu gestern Abend:
Das Fazit gleich am Anfang: Es war alles, wie ich es erwartet hatte, nur viel schlimmer.
Nachdem meine Frau und ich zweimal Wasser, Kekse und Müsliriegel gespendet hatten, haben wir uns in der Doodle Liste der Flüchtlingshilfe (http://fluechtlingshilfemuenchen.de/) für die Abendschicht (20:00 Uhr bis 0:15 Uhr) am Hauptbahnhof eingetragen.
Wie vereinbart haben wir uns gegen 19:00 Uhr am Infobus gemeldet (Luisenstr. 4, Elisenhof). Dort gab man uns ein grünes Bändchen für's Handgelenk und wir sind gemeinsam mit dem Rest der Schicht zur Bahnhofshalle Nord (Seite Arnulfstraße) gegangen.
Dort ist die Auffangstation, wo die ankommenden Flüchtlinge medizinisch durchgecheckt werden und sich namentlich (ohne Fingerabdrücke oder weiterführende Informationen) registrieren lassen.
Wir bekamen jeder eine rosa Weste und Schutzhandschuhe, Mundschutz war optional. Unsere Aufgabe als freiwillige Helfer bestand darin Wasser, Bananen, Müsliriegel und Kekse an die Ankommenden zu verteilen.
Ich kann jedem nur raten selbst hinzugehen und auch wenn er nicht aktive helfen kann oder will sich von außerhalb der Absperrungen selbst ein Bild zu machen.
Was ich da erlebt habe kenne ich normalerweise nur aus dem Fernsehen. Männer, Frauen, Kinder, alte Leute, Kleinkinder, alle übernächtigt und desorientiert.
Die Leute haben tatsächlich nur Handgepäck (Plastiktüten meistens) dabei und keiner hat den Eindruck vermittelt, dass es auf Urlaub ist oder sich einen faulen Lenz auf Kosten anderer machen wollte.
Die Zustände am Hauptbahnhof sind katastrophal, was aber unausweichlich ist, da viel improvisiert werden muss und sehr viele Leute kommen, gestern wurden 13.000 (!) Menschen betreut.
Man muss es selbst gesehen und erlebt haben, um beurteilen zu können, was hier wirklich passiert.
Toll ist, wie die Leute vor Ort sich reinhängen und wie alles doch irgendwie funktioniert. Für mich war allerdings emotional deutlich härter, als ich erwartet hatte. Ich bin sicherlich nicht zum letzten Mal dort gewesen, weil dringend was getan werden muss.
Wenn ihr selbst etwas tun wollt oder jemanden kennt, Anlaufstelle ist der Infobus sowie die Webpräsenz http://fluechtlingshilfemuenchen.de/
Hingehen.
