Frage die Whiskeykenner hier (Forum)

Sohn des Landes der Schweiz-Bezwinger !, Wednesday, 30.03.2022, 17:30 (vor 1513 Tagen)

Was haltet ihr von "Aberlour 10 years, Forest reserve"?

Habe von zwei rumänischen Freundinnen heute eine solche Flasche zum 42ten Geburtstag geschenkt bekommen.

Hab natürlich sofort gesagt, dass man bei schottischen Single Malts ja eigentlich ohnehin kaum etwas falsch machen kann und mich aufrichtig bedankt, aber echte Kenner können sicherlich ein bisserl mehr dazu sagen.

Hoffe es ist ein Tropfen für Anfänger wie mich.

Danke schonmal im voraus.

Frage die Whiskeykenner hier

BlueMagic, Wednesday, 30.03.2022, 21:32 (vor 1513 Tagen) @ Sohn des Landes der Schweiz-Bezwinger !

Wie du schon vermutet hast, ist das ein typischer Einsteigermalt, der ursprünglich für den französischen Markt produziert wurde, jetzt aber im Fachhandel auch bei uns erhältlich ist. Er wird ein paar Jahre in Bourbonfässern gelagert und dann in Sherryfässern noch ein paar Monate gefinished. Ein Teil bekommt auch ein finish in französischen Eichenfässern. Leider, wie praktisch alle in dieser Preisklasse, kühl gefiltert und auf 40% herunter verdünnt. Damit verliert er an Geschmacksintensität. Für einen Anfänger aber kein schlechter Einstieg. Ich habe ihn nicht probiert, gehe aber davon aus, dass er recht mild und gefällig sein wird. Wenig Ecken und Kanten, kein Rauch, kein Torf. Einfach geniessen. Nimm ein Malt Whisky Glas, das sich nach oben verjüngt. Damit werden die Aromen zur Nase hin gebündelt. Nur keinen typischen Whiskytumbler nehmen. Da verliert er total. Und Eis ist ein NoGo. Bei unter 50% nehme ich auch kein Wasser zum Verdünnen, damit würdest du den Geschmack verwässern. Wenn du kein Malt Glas auftreiben kannst, nimm zur Not einen Cognac-Schwenker. Wärme das Glas mit einer Hand und bedecke die Öffnung bis ein Kondenswasserrand am Glas oben entsteht. Wenn du die Hand vom Glas nimmst, die Glasöffnung erstmal von der Nase weg halten, damit der erste Alkoholdampf entweichen kann und dir nicht gleich die Geschmacksnerven killt. Dann vorsichtig mit beiden Nasenlöchern über der Glasöffnung die Aromen geniessen. Durch das Anwärmen kommen die gut zur Geltung. Vermutlich deutlich Vanillenoten von den Bourbonfässern. Evtl. gibt's auch ein wenig Zitrusnoten und von den Sherryfässern Noten von Trockenfrüchten.
Denk dir n7chts, wenn du ganz was anderes riechst. Jeder ist geschmacks- und geruchstechnisch anders gepolt. Da gibt es kein richtig oder falsch. Wenn du den Geruch nicht beschreiben kannst, ist das auch normal. Geht mir auch oft so.
Wenn du trinkst erstmal nur die Zunge benetzen, damit sich deine Geschmacksnerven an den Alk gewöhnen. Dann in mehreren kleinen Schlucken geniessen, einige Sekunden im Mund "rollen" und darauf konzentrieren, was sich geschmacklich an verschiedenen Stellen im Mund so abspielt. Vor allem auch beim Schlucken. Darauf achten, ob der Geschmack nach dem Schlucken noch länger anhält oder schnell wieder weg ist. Ruhig das Glas ein paar Minuten stehen lassen und dann von vorne anfangen. Kann gut sein, dass sich dann alles etwas verändert hat.

Viel Spass damit!
Wenn er dir schmeckt empfehle ich dir den hier:
Aberlour a'bunadh Single Malt Scotch Whisky 0,7l, alc.ca. 60 Vol.-%

Der braucht dann aber gut Wasser, sonst erschlagen dich die 60%.

Slainte mhath!

Frage die Whiskeykenner hier

Stefan Kranzberg, Thursday, 31.03.2022, 07:20 (vor 1513 Tagen) @ BlueMagic

Klingt das jetzt irgendwie blöd, wenn ich gestehe, dass ich es beeindruckend finde, wie Du Zelebration des Genusses beschreibst?

ich gesteh jetzt mal was

hjs beichtend, Thursday, 31.03.2022, 11:29 (vor 1512 Tagen) @ Stefan Kranzberg

Ich bin in den zwei Coronajahren zu einem Whisky-Genusstrinker geworden, so zwei-, dreimal in der Woche ein kleines Glaserl. Und ich hab fast noch nie was getrunken, das mir gar nicht geschmeckt hat. Ich finde einige mit bestimmten Finishings zu süß, und wenn die dann auch noch torfig sind, dann ist diese Kombination nix für mich. Aber ansonsten: Solange man beim Single Malt bleibt: Ich mag die milden und ich mag die rauchigen. Und ich hab auch schon welche mit so 55% getrunken, das geht auch.
Eine Lieblingsmarke oder so hab ich nicht, ich trink mich quer durchs Gemüsebeet. Bsiheriger Favorit war eine Sonderabfüllung von Eldradour, die ich im Tara Spirits empfohlen bekommen habe. War auch das mit Abstand Teuerste (80 Ero oder so).
Schuld an diesem Säufertum sind zu gleichen Teilen BlueMagic und Michael Mittermeier.

ich gesteh jetzt mal was

Schreihals klugscheißend, Saturday, 02.04.2022, 08:16 (vor 1511 Tagen) @ hjs beichtend

Eine Lieblingsmarke oder so hab ich nicht, ich trink mich quer durchs Gemüsebeet. Bsiheriger Favorit war eine Sonderabfüllung von Eldradour, die ich im Tara Spirits empfohlen bekommen habe. War auch das mit Abstand Teuerste (80 Ero oder so).

Edradour heißt es korrekt, ohne L. Die werben damit, die kleinste Brennerei in Schottland zu sein. Sehr schön in der Nähe des Städtchens Pitlochry gelegen. Wenn man in der Gegend ist, lohnt sich ein Besuch mit Führung auf jeden Fall.

Mein Favorit ist derzeit der Ledaig 10yo. Vorsicht, Torfbombe! Für eine Standardversion und das Alter wahnsinnig intensiv und mit einem tollen Preis-Leistungsverhältnis. Wobei ich sagen muss, dass ich ihn 2019 direkt beim Hersteller Tobermory auf der Insel Mull mitgenommenen hab und nicht weiß, was er hier und jetzt kostet. BlueMagic's Meinung dazu würde mich natürlich interessieren, falls er ihn kennt.

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