Schwarzgeld im Amateurfußball & ne Umfrage (Forum)

tomtom, Wednesday, 19.01.2022, 06:43 (vor 1583 Tagen)
bearbeitet von tomtom, Wednesday, 19.01.2022, 07:50

Sicherlich für einige von Euch interessant ist diese gemeinsame Recherche von Correctiv & ARD: Bezahlung im Amateurfußball: Schwarzgeld von jährlich bis zu 500 Millionen Euro: „Im deutschen Amateurfußball fließen nach Recherchen von CORRECTIV und ARD jährlich womöglich bis zu 500 Millionen Euro Schwarzgeld. Damit würde flächendeckend gegen die Spielordnung des DFB verstoßen. Amateurfußballer berichten von Bargeldumschlägen, Scheinverträgen und unversteuerten Dienstwagen.“

Studie: Deutsche Fußball Basis 2022
Seine Meinung zum DFB äußern kann man in dieser aufwändigen Umfrage (Teilnahme dauert nur ein paar Minuten), von m. E. seriösen Kolleg*innen:
Am 11. März findet der Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes statt. Gesucht wird ein neuer DFB-Präsident, der den Verband mit seinen über 7 Millionen Mitgliedern in die Zukunft führen soll. Das Forschungsprojekt der Universität Würzburg und Hochschule Ansbach setzt hier an und befragt die Basis des deutschen Fußballs. Wie denken die einzelnen Mitlieder über den DFB, was wünschen sie sich für die Zukunft und wie schätzen sie die Führung des Verbandes ein?
Die Umfrage richtet sich an alle Personen, die im DFB organisiert sind. Die Beantwortung der Fragen dauert nur wenige Minuten.

Mehr dazu bei der Uni Würzburg.

Diese Praktiken gibt es seit Jahrzehnten

Amafan, Friday, 21.01.2022, 11:20 (vor 1581 Tagen) @ tomtom

und werden von den Beteiligten deshalb fast als Gewohnheitsrecht gedeutet. Ähnliches findet sich im Bereich der Unterhaltung/Kultur. Oder glaubt wirklich jemand, Offbühnen und Kleinkünstler würden vom kärglichen Salär jeden Euro noch versteuern, wenn für die Abendgage der Hut rumgeht?

PS: Der FCB ist mit Steuerhinterziehung und Schwarzgeld erst groß geworden:
https://www.spox.com/de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern/1910/News/fc-bayern-muenche-aufstieg-angeblich-durch-steuerhinterziehung-und-schwarzgeldzahlung.html

Ergänzung

Amafan, Friday, 21.01.2022, 11:37 (vor 1581 Tagen) @ Amafan

Mit der Kommerzialisierung im Profisport wuchs im kleineren Maßstab die Bezahlung im Amateursport. Diesen historischen Zusammenhang nicht zu benennen und das Geschehen in unteren Ligen davon losgelöst als Phänomen zu untersuchen, ist eine der Schwächen der Doku.

und werden von den Beteiligten deshalb fast als Gewohnheitsrecht gedeutet. Ähnliches findet sich im Bereich der Unterhaltung/Kultur. Oder glaubt wirklich jemand, Offbühnen und Kleinkünstler würden vom kärglichen Salär jeden Euro noch versteuern, wenn für die Abendgage der Hut rumgeht?

PS: Der FCB ist mit Steuerhinterziehung und Schwarzgeld erst groß geworden:
https://www.spox.com/de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern/1910/News/fc-bayern-muenche-aufstieg-angeblich-durch-steuerhinterziehung-und-schwarzgeldzahlung.html

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tomtom, Friday, 21.01.2022, 11:45 (vor 1581 Tagen) @ Amafan

Mag sein, aber trotzdem halte ich es für wichtig, in der Öffentlichkeit darüber aufzuklären. Und das tun die Corrctiv-Kolleg*innen (Transparenz-Hinweis: Ja, ich habe auch schon mit denen zusammengearbeitet und über sie berichtet). Bekannt war es mir auch, aber über die Dimension war ich mir nicht im Klaren.

und werden von den Beteiligten deshalb fast als Gewohnheitsrecht gedeutet. Ähnliches findet sich im Bereich der Unterhaltung/Kultur. Oder glaubt wirklich jemand, Offbühnen und Kleinkünstler würden vom kärglichen Salär jeden Euro noch versteuern?

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Amafan, Friday, 21.01.2022, 12:01 (vor 1581 Tagen) @ tomtom

Sicher tun sie das. Aber eben i diesem Fall mit einem Gestus, der suggeriert, sie hätten Ungeheuerliches und Verborgenes aufgedeckt. Haben sie aber nicht, sondern lediglich in interessierten Kreisen allgemein Bekanntes systematisch zusammengefasst. Dafür Undercover einen Kicker zu einem Kreisklassisten zu schicken, finde ich peinlich. Und ich bin kein Freund des bezahlten Amateurfußballs in unteren Ligen.

Mag sein, aber trotzdem halte ich es für wichtig, in der Öffentlichkeit darüber aufzuklären. Und das tun die Corrctiv-Kolleg*innen (Transparenz-Hinweis: Ja, ich habe auch schon mit denen zusammengearbeitet und über sie berichtet). Bekannt war es mir auch, aber über die Dimension war ich mir nicht im Klaren.

und werden von den Beteiligten deshalb fast als Gewohnheitsrecht gedeutet. Ähnliches findet sich im Bereich der Unterhaltung/Kultur. Oder glaubt wirklich jemand, Offbühnen und Kleinkünstler würden vom kärglichen Salär jeden Euro noch versteuern?

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Zausl, Friday, 21.01.2022, 13:32 (vor 1581 Tagen) @ Amafan

In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen ist die 3. und 4. des e.V. zumindest in der Kreisklasse/Kreisliga, die einzigen Mannschaften sind, die wirklich keinen Cent erhalten.
Wenn man sich die Klassen ansieht, kenne ich sonst keine Mannschaft die nichts bekommt.
Also, nichts neues im Amateur Fußball.

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lustiger_hans, Friday, 21.01.2022, 14:12 (vor 1581 Tagen) @ Zausl

Wahnsinn.

Dann schaut man mal in anderen Sportarten in höhere Ligen (z.B. 3. oder 4. Ligen) und dort fühlt man sich aufs höchste gefördert, wenn irgendwer einen Satz Trikots oder sowas sponsort.

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Fred, München, Tuesday, 25.01.2022, 08:59 (vor 1577 Tagen) @ Zausl

Woher nimmst Du diese Erkenntnis?

--
Sechzig München gibt's nur in Giasing!

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laimerloewe (c), Friday, 21.01.2022, 14:03 (vor 1581 Tagen) @ Amafan

und nicht nur beim fußball. was es allerdings nicht besser macht...

Schwarzgeld im Amateurfußball & ne Umfrage

Herbert, Tuesday, 25.01.2022, 18:18 (vor 1577 Tagen) @ tomtom

Die Umfrage finde ich sehr interessant, allerdings sehe ich ein massives Problem in der Stichprobe (und damit einhergend die Gewichtung der Ergebnisse). In dem Bericht wird allerdings auch mehrfach darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse auf folgenden Annahmen beruhen:
1. die Befragung bildet die Gesamtheit der Spieler / Betroffenen richtig ab bzw. die Gesamtheit der Spieler bekommt im Schnitt genau so viel Geld wie die Befragten
2. der Anteil der verdeckten Zahlungen ist in der Gesamtheit der Zahlungen identisch mit den Befragten (bzw. denen die den Online-Fragebogen ausgefüllt haben)
3. die Angaben (vor allem die anonymen) in der Online-Befragen waren korrekt
Die "Bestätigungen" der Institute sind immer nur "unter der Voraussetzung, dass die getroffenen Annahmen korrekt sind" gültig. Daher ist es erst mal wichtig zu wissen ob die getroffenen Annahmen auch wirklich korrekt sind.
Nur wenn 1., 2. und 3. zutrifft lassen sich die Ergebnisse der Befragung hochrechnen und dann wäre die Befragung auch repräsentativ. Das ist hier aber wohl nicht der Fall.

Hast Du evtl. die Umfrage (den Fragebogen) die gestellt wurde? Mich stört bei solchen doch recht "zahlenbasierten" Recherchen wenn die Grundlage der Zahlen nicht veröffentlicht wird. So kann man schlecht beurteilen ob die Stichtprobe zumindest einigermaßen korrekt bzw. repräsentativ (ok, da wurde im Bericht schon gesagt, dass "nicht repräsentativ") ist.

Schwarzgeld im Amateurfußball & ne Umfrage

tomtom, Tuesday, 25.01.2022, 18:27 (vor 1577 Tagen) @ Herbert

Hier findest Du den Fragebogen, ich hoffe dass Du hier die Informationen bekommst, die Dich interessieren.

Die Umfrage finde ich sehr interessant, allerdings sehe ich ein massives Problem in der Stichprobe (und damit einhergend die Gewichtung der Ergebnisse). In dem Bericht wird allerdings auch mehrfach darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse auf folgenden Annahmen beruhen:
1. die Befragung bildet die Gesamtheit der Spieler / Betroffenen richtig ab bzw. die Gesamtheit der Spieler bekommt im Schnitt genau so viel Geld wie die Befragten
2. der Anteil der verdeckten Zahlungen ist in der Gesamtheit der Zahlungen identisch mit den Befragten (bzw. denen die den Online-Fragebogen ausgefüllt haben)
3. die Angaben (vor allem die anonymen) in der Online-Befragen waren korrekt
Die "Bestätigungen" der Institute sind immer nur "unter der Voraussetzung, dass die getroffenen Annahmen korrekt sind" gültig. Daher ist es erst mal wichtig zu wissen ob die getroffenen Annahmen auch wirklich korrekt sind.
Nur wenn 1., 2. und 3. zutrifft lassen sich die Ergebnisse der Befragung hochrechnen und dann wäre die Befragung auch repräsentativ. Das ist hier aber wohl nicht der Fall.

Hast Du evtl. die Umfrage (den Fragebogen) die gestellt wurde? Mich stört bei solchen doch recht "zahlenbasierten" Recherchen wenn die Grundlage der Zahlen nicht veröffentlicht wird. So kann man schlecht beurteilen ob die Stichtprobe zumindest einigermaßen korrekt bzw. repräsentativ (ok, da wurde im Bericht schon gesagt, dass "nicht repräsentativ") ist.

Schwarzgeld im Amateurfußball & ne Umfrage

Herbert, Tuesday, 25.01.2022, 18:51 (vor 1577 Tagen) @ tomtom
bearbeitet von Herbert, Tuesday, 25.01.2022, 19:47

Hier findest Du den Fragebogen, ich hoffe dass Du hier die Informationen bekommst, die Dich interessieren.

Danke, ja, hilft sehr. Folgende Fragen in Kombination sind interessant:
- Auf welchem Niveau spielst Du aktuell?*
- Was war das höchste Niveau, auf dem Du gespielt hast?*
Wenn hier die Spieler, die angeben schon mal höherklassig gespielt zu haben eher Geldzahlungen angeben als andere Befragte, dann sollte man auch hier (falls es diese Zahlen für die einzelnen Ligen gibt) abgleichen ob das dem Durchschnitt aller Spieler entspricht.

Und diese Frage für sich alleine:
- Für wie viele Vereine hast Du während deiner Karriere gespielt?*
Hier könnte man schauen wie viele Vereine ein "Durchschnittsspieler" mit dem angegebenen Alter hat. Wenn die Befragten Spieler mit ähnlichem Alter ebenfalls den gleichen Durchschnittswert für die Anzahl der Vereine ergeben wäre das ein Indiz dafür, dass die Befragten eher dem Durchschnitt entsprechen und man die Ergebnisse der Befragung hoch rechnen kann. Wenn nicht, also z.B. alle Spieler im Alter von 22 im Durchschnitt 2,1 Vereine hatten (weil halt viele "schlechte" Spieler einfach bei "Ihrem" Verein bleiben) und die Befragten aber 4,2 Vereine (im Schnitt) ergeben, dann ist das halt so gar nicht repräsentativ und dann ist es halt auch wahrscheinlicher, dass ein Spieler der laufend den Verein wechselt eher Geld bekommt (bzw. aufgrund von Geld wechselt) als ein Spieler der nie den Verein wechselt.

Leider sind, außer diesen drei Fragen keine weiteren Fragen enthalten nach denen man die Ergebnisse mit der Gesamtheit der Spieler abgleichen könnte.
EDIT: Interessant wäre auch ob der Altersschnitt der Befragten der Gesamtheit der Spieler (die zur Hochrechnung der "Gesamtbezahltung", etc. verwendet wurden) dem Altersdurchschnitt aller Spieler entspricht. Evtl. bekommen ja "nur" die jungen Spieler Geld und ältere spielen eher "zum Spaß" oder anders rum. Auf jeden Fall könnte man auch mit diesen Daten das Ergebnis sinnvoll gewichten.

Zusätzliche Fragen wären z.B.
- Wie siehst Du Deine Leistung bzw. Deine Position in der Mannschaft
a) klarer Führungsspieler und eher besser / stärker als der Durchschnitt der Mannschaft
b) eher im Durchschnitt und im Team gut, aber nicht herausragend
c) eher unter dem Durchschnitt, ich spiele auch nur, wenn viele Ausfälle sind
(ok, die Antworten sind wahrscheinlich nicht optimal, aber so kann man sich besser vorstellen auf was ich hinaus will)
Wenn jetzt die Spieler mit a) in hohem Prozentsatz angeben Geld zu erhalten und dann evtl. noch 60% der Befragten ausmachen, dann kann man das Ergebnis der Befragung halt nicht hochrechnen.

PS: Muss mal schauen ob ich an die Rohdaten ran komme und evtl. machen wir da was für München und Umgebung. Das Thema ist wirklich interessant. Aber da kommt es jetzt natürlich drauf an ob meine Redakteure da "Spaß" dran haben. ;-)

Schwarzgeld im Amateurfußball & ne Umfrage

tomtom, Tuesday, 25.01.2022, 21:06 (vor 1577 Tagen) @ Herbert

Könnte mir vorstellen, dass da etwas geht, es gibt ja eine Kooperation zwischen Anzeigenblättern und Correctiv.
(...)

PS: Muss mal schauen ob ich an die Rohdaten ran komme und evtl. machen wir da was für München und Umgebung. Das Thema ist wirklich interessant. Aber da kommt es jetzt natürlich drauf an ob meine Redakteure da "Spaß" dran haben. ;-)

Schwarzgeld im Amateurfußball & ne Umfrage

Herbert, Wednesday, 26.01.2022, 08:07 (vor 1576 Tagen) @ tomtom

Könnte mir vorstellen, dass da etwas geht, es gibt ja eine Kooperation zwischen Anzeigenblättern und Correctiv.
(...)

ja, die wird auch sehr gut gelebt, aber dieses Thema wurde evtl. "exclusiv" mit lokalen Tageszeitungen und der ARD "geplant" / angegangen. Die Kooperation ist auch eher deutschlandweit und da dürfen dann manche Konzern-Anzeigenblätter bestimmte Themen halt nicht angehen da der Tageszeitung vorbehalten.

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