Interrail 1982/83 oder so (Forum)
Interrail 1992/93 oder so
Im Herbst war es klar: der Stefan und ich fahren mit dem Zug durch Europa. Interrail hat sowas auch für kleinere Geldbeutel ermöglicht. Kurz vor Weihnachten haben wir uns das Ticket gekauft.
Jetzt hatte jeder noch seinen Weihnachtsverpflichtungen nachzukommen und am ersten Feiertag war es soweit.
Unser sorgfältig ausgearbeiteter Reiseplan ging nur bis Kufstein. Innerhalb des eigenen Landes musste man mit diesem Billet die Hälfte des normalen Fahrpreises bezahlen, im Rest von (West-)Europa nix. Also war es klar. Weniger als die 8 Mark nach Kufstein hat dieser Wälzer aller europäischen Zugverbindungen, den ich am Heiligen Abend bekommen habe (endlich ein sinnvolles Geschenk) bestimmt nicht gekostet.
Am 1. Weihnachtstag haben wir also mit kleinem Gepäck (ich kann mich rückblickend überhaupt nicht an Gepäck erinnern) und mit Allwetterkleidung auf den nicht enden wollenden Weg zum Hauptbahnhof gemacht. Wir haben den Zug nach Innsbruck bestiegen und dem Schaffner die 8 Mark ausgehändigt.
Bereits in diesem Zug habe ich den Wälzer herausgeholt. Die Frage war: Fahrma noch Italien oder in dSchweiz? Ich habe eine passende Verbindung nach Basel und weiter nach Paris gefunden. Also umsteigen in Innsbruck und weiter nach Feldkirch. Nach einer Pause in der dortigen Bahnhofswirtschaft ging es durch Liechtenstein und die Schweiz nach Basel. Dass wir bereits am Rand des deutschen Sprachraums waren, merkten wir daran, dass dort die Halbe ein Krügerl (oder so ähnlich) geheißen hat. Irgendwann sind wir gen Paris gefahren.
Paris. Ich wollte hin, der Stefan war skeptisch, weil sein etwas älterer Vater schon dort war und die Franzosen eher feindselig in Erinnerung hatte. Westfront. Der Stefan hatte allerdings Bedenken, dass die uns das immer noch übel nehmen. Wir haben eine Jugendherberge gefunden, die uns aufgenommen hat. Wir sind mit der Métro kreuz und quer durch die Stadt gefahren und haben uns den Eiffelturm angesehen. Das wars, mehr wussten wir von Paris nicht und haben uns in der Herberge den weiteren Weg überlegt. Wos warm is, war der Tenor, also Wälzer raus und in gebetbuchdünnen Blättern einen Zug nach Madrid entdeckt. Do iss warm hamma gmoant.
Dass es in Paris für jede Richtung einen anderen Bahnhof gibt, hat uns glücklicherweise ein kanadischer Tourist so nebenbei erklärt. Also sind wir zum richtigen und nicht wie ohne den Hinweis zum falschen Bahnhof gefahren und in den Zug nach Spanien gestiegen.
In Irun im Baskenland mussten wir den Zug verlassen und in einen spanischen umsteigen, weil sie in Spanien eine breitere Spur haben. Bei dieser Umsteigerei wurde klar, dass anscheinend mehr Interrailer aus aller Welt dabei sind. Die Fahrt ging in die Nacht und beim Aussteigen in Madrid meinte ein Ami oder Kanadier, dass die ganze Fahrt „hopsly hopsly“ war. Hier gab es damals noch diese kleinen Abstände in den Schienen, die sich bei Hitze schließen und eben im Winter das gleichmäßige Klacken verursachten.
Madrid, Spanien, warm! Madrid und Spanien stimmten. Kalt wars und wir fanden (wie weiß ich nicht mehr) eine Jugendherberge. In unserem Zimmer waren noch der Alfredo und der Mauricio aus Uruguay, mit denen wir und trotz (beiderseitiger) mangelnder Englisch-Kenntnisse schnell angefreundet haben. Die beiden waren schon zwei Tage länger da und kannten sich in Madrid ein bisserl besser aus als wir. Wir sind zum Futtern zu einem recht guten und preiswerten Chinesen gegangen und haben bei unserer Rückkehr zur Herberge festgestellt, dass man noch einen Ecuadorianer bei uns einquartiert hat. Der Diego war Student in Miami und konnte besser englisch als wir vier.
Am nächsten Tag haben der Stefan und ich mitten in Madrid im Schneetreiben eine deutsche Mitbewohnerin unserer Herberge getroffen. Sie hat uns den Prado empfohlen. Kulturausrutscher! Da waren doch tatsächlich die Bilder, die man sonst nur auf Fotos oder im TV schon mal gesehen hat. Oder in der Schui? Zurück in der Unterkunft hatte unser ecuadorianischer Freund die Idee, ins Kino zu gehen. Ein lustiger Film in Englisch mit spanischen Untertiteln. Okay, gehma hoid mit. Er war dann auf Spanisch ohne Untertitel… (Arthur, kein Kind von Traurigkeit; ich habe ihn nie mehr angesehen).
Silvester stand an. Da hieß es seitens unserer Jugendherberge, dass über Silvester und Neujahr geschlossen ist. Ja, was jetzt? Wir Insassen wurden auf ein paar Pensionen verteilt und haben uns in der uns zugewiesenen eingefunden. Der Stefan, die Urus, der Diego und ich waren im Zimmer. Plötzlich kommt ein anderer Bewohner dieser Pension ins Zimmer und fragt was wir heute Abend machen. Silvester an der Puerta del Sol! Ganz in der Nähe und er besorgt alles. Wunderbar!
Am Silvesterabend sind wir also losgezogen, der Stefan und ich, der Alfredo und der Mauricio aus Uruguay, der Diego aus Ecuador, der Ungar (dessen Name ich nicht mehr weiß) und ein gewisser Gerhard aus München, der aus Bolivien abhauen musste (?)
Puerta del Sol: Ein zentraler Platz in Madrid, an dem an Silvester der Teufel los ist. Der Ungar hat Weintrauben besorgt, weil man zu jedem Glockenschlag eine essen soll. Tequila hatte er auch dabei. Ein schöner Brunnen ziert die Peurta del Sol und der Stefan hat sich an seinem Rand ausgeruht, als ein übermütiger Ungar ihn in die Fluten gestürzt hat. Von zwei Uruguayern ist er nach Hause gebracht worden. Aber jetzt? Der Gerhard kannte noch eine Kneipe. Okay, ich kenn mi eh ned aus.
Irgendwann habe ich diesen Münchner nach dem Heimweg gefragt, und er hat gesagt, er weiß es auch nicht. Ich habe mir gedacht, irgendwie finde ich schon heim. Ich habe mir den Namen der Straße gemerkt. Calle de Olid, (ich weiß ihn bis heute). Ich habe mit einmal Fragen nach Hause gefunden.
Am nächsten Morgen waren viel mehr Leute im Haus als vorher. Ein älterer Kolumbianer und ein jüngerer spanischsprechender Ami, die in den Fluren genächtig haben. Aber okay, Neujahr. Da stellte der Stefan fest, dass unsere Salami verschwunden war. Und der Diego auch! Sauhund, ecuadorianischer!
So, jetzt aber in die Wärme! Marokko war bei Interrail dabei. Nehmas mit oder ned? Wir haben es nicht recht gewusst, wollten aber eh nach Südspanien. Also haben wir den richtigen Bahnhof (wie in Paris) aufgesucht und uns in einem Achterabteil (die Züge sind breiter) eingerichtet. Algeciras war das Ziel, aber das hatten auch sehr viele Soldaten. Und so war unser Abteil und der ganze Zug voller spanischer Soldaten. Wir selber hatten auch Parkas an, so dass eigentlich alles in Oliv getaucht war. Die Zugfahrt war sehr unterhaltsam, weil wir uns gegenseitig nicht verstanden haben, was sich im Laufe der Fahrt bei Wein, Schinken und Jerez (Sherry) aus der Flasche deutlich verbessert hat.
So, jetzt sind wir im südlichsten Spanien. Warm ist es. Aber dann geht man da am Strand entlang und sieht Afrika. Marokko hätte uns jetzt einerseits doch wieder gereizt, andererseits haben uns andere Reisende öfter mal gewarnt. Ceuta liegt in Afrika, gehört aber zu Spanien. Fähre!
Afrika! Ja gut, ziemlich spanisch. Wir haben eine Pension aufgetrieben und uns ins Nachtleben von Ceuta gestürzt. Viel Nachtleben brauchten wir nicht, wir haben noch eine Bar aufgesucht, in der wir unsere Reise mit einem Bier feiern wollten. Es wurde ein Bier nach dem anderen (0,33) und der Wirt hat nie abgeräumt, erst als es zwanzig waren hat er abgeräumt und wir bekamen Freibier.
Gut dass ich bei morgentlichen Duschen der erste war, denn beim Stefan ist das Wasser ausgegangen. Just als er voll eingeseift war. Ich habe ihm eine Colaflasche (mit Wasser natürlich) nach der anderen gereicht bis es einigermaßen gereicht hat. Ceuta kriegt das Wasser aus Marokko, oder halt auch nicht.
Schön wars, aber irgendwann reichts auch. Fähre, Zug. Mitten in der Nacht haben wir in einem französischen Dorf im Baskenland (das französische Irun) ziemlich gut gefuttert. Über Bordeaux (eine Nacht im Bahnhof) ging es weiter nach Zürich. Über Innsbruck und Kufstein (8 Mark) nach München.
Interrail forever!!


