Interrail 1982/83 oder so (Forum)

Celtic, Friday, 24.02.2017, 21:15 (vor 3343 Tagen)

Interrail 1992/93 oder so

Im Herbst war es klar: der Stefan und ich fahren mit dem Zug durch Europa. Interrail hat sowas auch für kleinere Geldbeutel ermöglicht. Kurz vor Weihnachten haben wir uns das Ticket gekauft.

Jetzt hatte jeder noch seinen Weihnachtsverpflichtungen nachzukommen und am ersten Feiertag war es soweit.

Unser sorgfältig ausgearbeiteter Reiseplan ging nur bis Kufstein. Innerhalb des eigenen Landes musste man mit diesem Billet die Hälfte des normalen Fahrpreises bezahlen, im Rest von (West-)Europa nix. Also war es klar. Weniger als die 8 Mark nach Kufstein hat dieser Wälzer aller europäischen Zugverbindungen, den ich am Heiligen Abend bekommen habe (endlich ein sinnvolles Geschenk) bestimmt nicht gekostet.

Am 1. Weihnachtstag haben wir also mit kleinem Gepäck (ich kann mich rückblickend überhaupt nicht an Gepäck erinnern) und mit Allwetterkleidung auf den nicht enden wollenden Weg zum Hauptbahnhof gemacht. Wir haben den Zug nach Innsbruck bestiegen und dem Schaffner die 8 Mark ausgehändigt.

Bereits in diesem Zug habe ich den Wälzer herausgeholt. Die Frage war: Fahrma noch Italien oder in dSchweiz? Ich habe eine passende Verbindung nach Basel und weiter nach Paris gefunden. Also umsteigen in Innsbruck und weiter nach Feldkirch. Nach einer Pause in der dortigen Bahnhofswirtschaft ging es durch Liechtenstein und die Schweiz nach Basel. Dass wir bereits am Rand des deutschen Sprachraums waren, merkten wir daran, dass dort die Halbe ein Krügerl (oder so ähnlich) geheißen hat. Irgendwann sind wir gen Paris gefahren.

Paris. Ich wollte hin, der Stefan war skeptisch, weil sein etwas älterer Vater schon dort war und die Franzosen eher feindselig in Erinnerung hatte. Westfront. Der Stefan hatte allerdings Bedenken, dass die uns das immer noch übel nehmen. Wir haben eine Jugendherberge gefunden, die uns aufgenommen hat. Wir sind mit der Métro kreuz und quer durch die Stadt gefahren und haben uns den Eiffelturm angesehen. Das wars, mehr wussten wir von Paris nicht und haben uns in der Herberge den weiteren Weg überlegt. Wos warm is, war der Tenor, also Wälzer raus und in gebetbuchdünnen Blättern einen Zug nach Madrid entdeckt. Do iss warm hamma gmoant.

Dass es in Paris für jede Richtung einen anderen Bahnhof gibt, hat uns glücklicherweise ein kanadischer Tourist so nebenbei erklärt. Also sind wir zum richtigen und nicht wie ohne den Hinweis zum falschen Bahnhof gefahren und in den Zug nach Spanien gestiegen.

In Irun im Baskenland mussten wir den Zug verlassen und in einen spanischen umsteigen, weil sie in Spanien eine breitere Spur haben. Bei dieser Umsteigerei wurde klar, dass anscheinend mehr Interrailer aus aller Welt dabei sind. Die Fahrt ging in die Nacht und beim Aussteigen in Madrid meinte ein Ami oder Kanadier, dass die ganze Fahrt „hopsly hopsly“ war. Hier gab es damals noch diese kleinen Abstände in den Schienen, die sich bei Hitze schließen und eben im Winter das gleichmäßige Klacken verursachten.

Madrid, Spanien, warm! Madrid und Spanien stimmten. Kalt wars und wir fanden (wie weiß ich nicht mehr) eine Jugendherberge. In unserem Zimmer waren noch der Alfredo und der Mauricio aus Uruguay, mit denen wir und trotz (beiderseitiger) mangelnder Englisch-Kenntnisse schnell angefreundet haben. Die beiden waren schon zwei Tage länger da und kannten sich in Madrid ein bisserl besser aus als wir. Wir sind zum Futtern zu einem recht guten und preiswerten Chinesen gegangen und haben bei unserer Rückkehr zur Herberge festgestellt, dass man noch einen Ecuadorianer bei uns einquartiert hat. Der Diego war Student in Miami und konnte besser englisch als wir vier.

Am nächsten Tag haben der Stefan und ich mitten in Madrid im Schneetreiben eine deutsche Mitbewohnerin unserer Herberge getroffen. Sie hat uns den Prado empfohlen. Kulturausrutscher! Da waren doch tatsächlich die Bilder, die man sonst nur auf Fotos oder im TV schon mal gesehen hat. Oder in der Schui? Zurück in der Unterkunft hatte unser ecuadorianischer Freund die Idee, ins Kino zu gehen. Ein lustiger Film in Englisch mit spanischen Untertiteln. Okay, gehma hoid mit. Er war dann auf Spanisch ohne Untertitel… (Arthur, kein Kind von Traurigkeit; ich habe ihn nie mehr angesehen).

Silvester stand an. Da hieß es seitens unserer Jugendherberge, dass über Silvester und Neujahr geschlossen ist. Ja, was jetzt? Wir Insassen wurden auf ein paar Pensionen verteilt und haben uns in der uns zugewiesenen eingefunden. Der Stefan, die Urus, der Diego und ich waren im Zimmer. Plötzlich kommt ein anderer Bewohner dieser Pension ins Zimmer und fragt was wir heute Abend machen. Silvester an der Puerta del Sol! Ganz in der Nähe und er besorgt alles. Wunderbar!

Am Silvesterabend sind wir also losgezogen, der Stefan und ich, der Alfredo und der Mauricio aus Uruguay, der Diego aus Ecuador, der Ungar (dessen Name ich nicht mehr weiß) und ein gewisser Gerhard aus München, der aus Bolivien abhauen musste (?)
Puerta del Sol: Ein zentraler Platz in Madrid, an dem an Silvester der Teufel los ist. Der Ungar hat Weintrauben besorgt, weil man zu jedem Glockenschlag eine essen soll. Tequila hatte er auch dabei. Ein schöner Brunnen ziert die Peurta del Sol und der Stefan hat sich an seinem Rand ausgeruht, als ein übermütiger Ungar ihn in die Fluten gestürzt hat. Von zwei Uruguayern ist er nach Hause gebracht worden. Aber jetzt? Der Gerhard kannte noch eine Kneipe. Okay, ich kenn mi eh ned aus.

Irgendwann habe ich diesen Münchner nach dem Heimweg gefragt, und er hat gesagt, er weiß es auch nicht. Ich habe mir gedacht, irgendwie finde ich schon heim. Ich habe mir den Namen der Straße gemerkt. Calle de Olid, (ich weiß ihn bis heute). Ich habe mit einmal Fragen nach Hause gefunden.

Am nächsten Morgen waren viel mehr Leute im Haus als vorher. Ein älterer Kolumbianer und ein jüngerer spanischsprechender Ami, die in den Fluren genächtig haben. Aber okay, Neujahr. Da stellte der Stefan fest, dass unsere Salami verschwunden war. Und der Diego auch! Sauhund, ecuadorianischer!

So, jetzt aber in die Wärme! Marokko war bei Interrail dabei. Nehmas mit oder ned? Wir haben es nicht recht gewusst, wollten aber eh nach Südspanien. Also haben wir den richtigen Bahnhof (wie in Paris) aufgesucht und uns in einem Achterabteil (die Züge sind breiter) eingerichtet. Algeciras war das Ziel, aber das hatten auch sehr viele Soldaten. Und so war unser Abteil und der ganze Zug voller spanischer Soldaten. Wir selber hatten auch Parkas an, so dass eigentlich alles in Oliv getaucht war. Die Zugfahrt war sehr unterhaltsam, weil wir uns gegenseitig nicht verstanden haben, was sich im Laufe der Fahrt bei Wein, Schinken und Jerez (Sherry) aus der Flasche deutlich verbessert hat.

So, jetzt sind wir im südlichsten Spanien. Warm ist es. Aber dann geht man da am Strand entlang und sieht Afrika. Marokko hätte uns jetzt einerseits doch wieder gereizt, andererseits haben uns andere Reisende öfter mal gewarnt. Ceuta liegt in Afrika, gehört aber zu Spanien. Fähre!

Afrika! Ja gut, ziemlich spanisch. Wir haben eine Pension aufgetrieben und uns ins Nachtleben von Ceuta gestürzt. Viel Nachtleben brauchten wir nicht, wir haben noch eine Bar aufgesucht, in der wir unsere Reise mit einem Bier feiern wollten. Es wurde ein Bier nach dem anderen (0,33) und der Wirt hat nie abgeräumt, erst als es zwanzig waren hat er abgeräumt und wir bekamen Freibier.

Gut dass ich bei morgentlichen Duschen der erste war, denn beim Stefan ist das Wasser ausgegangen. Just als er voll eingeseift war. Ich habe ihm eine Colaflasche (mit Wasser natürlich) nach der anderen gereicht bis es einigermaßen gereicht hat. Ceuta kriegt das Wasser aus Marokko, oder halt auch nicht.

Schön wars, aber irgendwann reichts auch. Fähre, Zug. Mitten in der Nacht haben wir in einem französischen Dorf im Baskenland (das französische Irun) ziemlich gut gefuttert. Über Bordeaux (eine Nacht im Bahnhof) ging es weiter nach Zürich. Über Innsbruck und Kufstein (8 Mark) nach München.

Interrail forever!!

Schöne Gschicht

Lüngerl, Saturday, 25.02.2017, 16:27 (vor 3342 Tagen) @ Celtic

...danke dir!

Interrail 1982/83 oder so

gusch 2.0, Saturday, 25.02.2017, 21:14 (vor 3342 Tagen) @ Celtic

mein erstes interrail: celtic vs. motherwell 2:1. war 1985. beide tore durch terry provan. danny mcgraw hiess glaub ich der kapitaen bei celtic. parkhead hatte damals noch ne laufbahn.

Interrail 1982/83 oder so

Schwabinger, Sunday, 26.02.2017, 10:22 (vor 3341 Tagen) @ Celtic

Sehr schöne Geschichte, danke dafür.
War schon eine andere Zeit damals, so ohne Internet und ständiger Information- und Kommunikationsmöglichkeiten.

Ich bin einiges jünger und hab 2002 einen 4 Wochen Trip durch Spanien und Portugal gemacht mit dem Auto. Damals noch ohne Navi, nur mit Straßenkarte. Dass wir alle Jugendherbergen und Hostel gefunden haben, erscheint mir heute fast schon unglaublich...

Interrail 1982/83 oder so

tomtom, Sunday, 26.02.2017, 12:06 (vor 3341 Tagen) @ Celtic

War es jetzt 1982/83 oder 1992/1993? Gerne gelesen, ich weiß gar nicht mehr, wann ich meine Europa-Tour gemacht habe, doch, jetzt fällt es mir ein, es muss im Sommer 1989 gewesen sein. Deutschland machte ich 1984 und später noch mal. Oh Gott, bin ich alt! (-;

Interrail 1992/93 oder so

Im Herbst war es klar: der Stefan und ich fahren mit dem Zug durch Europa. Interrail hat sowas auch für kleinere Geldbeutel ermöglicht. Kurz vor Weihnachten haben wir uns das Ticket gekauft.

Jetzt hatte jeder noch seinen Weihnachtsverpflichtungen nachzukommen und am ersten Feiertag war es soweit.

Unser sorgfältig ausgearbeiteter Reiseplan ging nur bis Kufstein. Innerhalb des eigenen Landes musste man mit diesem Billet die Hälfte des normalen Fahrpreises bezahlen, im Rest von (West-)Europa nix. Also war es klar. Weniger als die 8 Mark nach Kufstein hat dieser Wälzer aller europäischen Zugverbindungen, den ich am Heiligen Abend bekommen habe (endlich ein sinnvolles Geschenk) bestimmt nicht gekostet.

Am 1. Weihnachtstag haben wir also mit kleinem Gepäck (ich kann mich rückblickend überhaupt nicht an Gepäck erinnern) und mit Allwetterkleidung auf den nicht enden wollenden Weg zum Hauptbahnhof gemacht. Wir haben den Zug nach Innsbruck bestiegen und dem Schaffner die 8 Mark ausgehändigt.

Bereits in diesem Zug habe ich den Wälzer herausgeholt. Die Frage war: Fahrma noch Italien oder in dSchweiz? Ich habe eine passende Verbindung nach Basel und weiter nach Paris gefunden. Also umsteigen in Innsbruck und weiter nach Feldkirch. Nach einer Pause in der dortigen Bahnhofswirtschaft ging es durch Liechtenstein und die Schweiz nach Basel. Dass wir bereits am Rand des deutschen Sprachraums waren, merkten wir daran, dass dort die Halbe ein Krügerl (oder so ähnlich) geheißen hat. Irgendwann sind wir gen Paris gefahren.

Paris. Ich wollte hin, der Stefan war skeptisch, weil sein etwas älterer Vater schon dort war und die Franzosen eher feindselig in Erinnerung hatte. Westfront. Der Stefan hatte allerdings Bedenken, dass die uns das immer noch übel nehmen. Wir haben eine Jugendherberge gefunden, die uns aufgenommen hat. Wir sind mit der Métro kreuz und quer durch die Stadt gefahren und haben uns den Eiffelturm angesehen. Das wars, mehr wussten wir von Paris nicht und haben uns in der Herberge den weiteren Weg überlegt. Wos warm is, war der Tenor, also Wälzer raus und in gebetbuchdünnen Blättern einen Zug nach Madrid entdeckt. Do iss warm hamma gmoant.

Dass es in Paris für jede Richtung einen anderen Bahnhof gibt, hat uns glücklicherweise ein kanadischer Tourist so nebenbei erklärt. Also sind wir zum richtigen und nicht wie ohne den Hinweis zum falschen Bahnhof gefahren und in den Zug nach Spanien gestiegen.

In Irun im Baskenland mussten wir den Zug verlassen und in einen spanischen umsteigen, weil sie in Spanien eine breitere Spur haben. Bei dieser Umsteigerei wurde klar, dass anscheinend mehr Interrailer aus aller Welt dabei sind. Die Fahrt ging in die Nacht und beim Aussteigen in Madrid meinte ein Ami oder Kanadier, dass die ganze Fahrt „hopsly hopsly“ war. Hier gab es damals noch diese kleinen Abstände in den Schienen, die sich bei Hitze schließen und eben im Winter das gleichmäßige Klacken verursachten.

Madrid, Spanien, warm! Madrid und Spanien stimmten. Kalt wars und wir fanden (wie weiß ich nicht mehr) eine Jugendherberge. In unserem Zimmer waren noch der Alfredo und der Mauricio aus Uruguay, mit denen wir und trotz (beiderseitiger) mangelnder Englisch-Kenntnisse schnell angefreundet haben. Die beiden waren schon zwei Tage länger da und kannten sich in Madrid ein bisserl besser aus als wir. Wir sind zum Futtern zu einem recht guten und preiswerten Chinesen gegangen und haben bei unserer Rückkehr zur Herberge festgestellt, dass man noch einen Ecuadorianer bei uns einquartiert hat. Der Diego war Student in Miami und konnte besser englisch als wir vier.

Am nächsten Tag haben der Stefan und ich mitten in Madrid im Schneetreiben eine deutsche Mitbewohnerin unserer Herberge getroffen. Sie hat uns den Prado empfohlen. Kulturausrutscher! Da waren doch tatsächlich die Bilder, die man sonst nur auf Fotos oder im TV schon mal gesehen hat. Oder in der Schui? Zurück in der Unterkunft hatte unser ecuadorianischer Freund die Idee, ins Kino zu gehen. Ein lustiger Film in Englisch mit spanischen Untertiteln. Okay, gehma hoid mit. Er war dann auf Spanisch ohne Untertitel… (Arthur, kein Kind von Traurigkeit; ich habe ihn nie mehr angesehen).

Silvester stand an. Da hieß es seitens unserer Jugendherberge, dass über Silvester und Neujahr geschlossen ist. Ja, was jetzt? Wir Insassen wurden auf ein paar Pensionen verteilt und haben uns in der uns zugewiesenen eingefunden. Der Stefan, die Urus, der Diego und ich waren im Zimmer. Plötzlich kommt ein anderer Bewohner dieser Pension ins Zimmer und fragt was wir heute Abend machen. Silvester an der Puerta del Sol! Ganz in der Nähe und er besorgt alles. Wunderbar!

Am Silvesterabend sind wir also losgezogen, der Stefan und ich, der Alfredo und der Mauricio aus Uruguay, der Diego aus Ecuador, der Ungar (dessen Name ich nicht mehr weiß) und ein gewisser Gerhard aus München, der aus Bolivien abhauen musste (?)
Puerta del Sol: Ein zentraler Platz in Madrid, an dem an Silvester der Teufel los ist. Der Ungar hat Weintrauben besorgt, weil man zu jedem Glockenschlag eine essen soll. Tequila hatte er auch dabei. Ein schöner Brunnen ziert die Peurta del Sol und der Stefan hat sich an seinem Rand ausgeruht, als ein übermütiger Ungar ihn in die Fluten gestürzt hat. Von zwei Uruguayern ist er nach Hause gebracht worden. Aber jetzt? Der Gerhard kannte noch eine Kneipe. Okay, ich kenn mi eh ned aus.

Irgendwann habe ich diesen Münchner nach dem Heimweg gefragt, und er hat gesagt, er weiß es auch nicht. Ich habe mir gedacht, irgendwie finde ich schon heim. Ich habe mir den Namen der Straße gemerkt. Calle de Olid, (ich weiß ihn bis heute). Ich habe mit einmal Fragen nach Hause gefunden.

Am nächsten Morgen waren viel mehr Leute im Haus als vorher. Ein älterer Kolumbianer und ein jüngerer spanischsprechender Ami, die in den Fluren genächtig haben. Aber okay, Neujahr. Da stellte der Stefan fest, dass unsere Salami verschwunden war. Und der Diego auch! Sauhund, ecuadorianischer!

So, jetzt aber in die Wärme! Marokko war bei Interrail dabei. Nehmas mit oder ned? Wir haben es nicht recht gewusst, wollten aber eh nach Südspanien. Also haben wir den richtigen Bahnhof (wie in Paris) aufgesucht und uns in einem Achterabteil (die Züge sind breiter) eingerichtet. Algeciras war das Ziel, aber das hatten auch sehr viele Soldaten. Und so war unser Abteil und der ganze Zug voller spanischer Soldaten. Wir selber hatten auch Parkas an, so dass eigentlich alles in Oliv getaucht war. Die Zugfahrt war sehr unterhaltsam, weil wir uns gegenseitig nicht verstanden haben, was sich im Laufe der Fahrt bei Wein, Schinken und Jerez (Sherry) aus der Flasche deutlich verbessert hat.

So, jetzt sind wir im südlichsten Spanien. Warm ist es. Aber dann geht man da am Strand entlang und sieht Afrika. Marokko hätte uns jetzt einerseits doch wieder gereizt, andererseits haben uns andere Reisende öfter mal gewarnt. Ceuta liegt in Afrika, gehört aber zu Spanien. Fähre!

Afrika! Ja gut, ziemlich spanisch. Wir haben eine Pension aufgetrieben und uns ins Nachtleben von Ceuta gestürzt. Viel Nachtleben brauchten wir nicht, wir haben noch eine Bar aufgesucht, in der wir unsere Reise mit einem Bier feiern wollten. Es wurde ein Bier nach dem anderen (0,33) und der Wirt hat nie abgeräumt, erst als es zwanzig waren hat er abgeräumt und wir bekamen Freibier.

Gut dass ich bei morgentlichen Duschen der erste war, denn beim Stefan ist das Wasser ausgegangen. Just als er voll eingeseift war. Ich habe ihm eine Colaflasche (mit Wasser natürlich) nach der anderen gereicht bis es einigermaßen gereicht hat. Ceuta kriegt das Wasser aus Marokko, oder halt auch nicht.

Schön wars, aber irgendwann reichts auch. Fähre, Zug. Mitten in der Nacht haben wir in einem französischen Dorf im Baskenland (das französische Irun) ziemlich gut gefuttert. Über Bordeaux (eine Nacht im Bahnhof) ging es weiter nach Zürich. Über Innsbruck und Kufstein (8 Mark) nach München.

Interrail forever!!

Anfang der 80er wars.

Celtic, Sunday, 26.02.2017, 19:54 (vor 3341 Tagen) @ tomtom

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Interrail 1998

Weisswuaschd to go, Sunday, 26.02.2017, 14:46 (vor 3341 Tagen) @ Celtic

Grad noch in der Ausbildung, kaum Geld - da bot sich seinerzeit das Interrailticket an.
Und so kauften mein Spezl Locke (der mit 18 schon eine Plattn hatte) und ich uns das Interrailticket Zone 4 (oder 3? Woaß nimmer so genau).
Die Zone beinhaltete West/Südeuropa bis Portugal inklusive Marokko.

Der Reiseplan wurde schnell festgelegt: Mit dem Zug nach Lindau, dann ab in die Schweiz nach Chur.
In Chur wohnt nämlich die Schwester vom Locke mit ihrem Schratzn. Und die freute sich sehr, ihren Bruder und mich mal wieder zu sehen.
Uns lockte neben den familiären Banden die kostenlose Übernachtung und das Churer Nachtleben - angeblich hatte Chur die größte Kneipendichte Europas (konnten wir damals mangels Internetz nicht verifizieren).

Nach Chur, so war der Plan, sollte es pragmatisch weitergehen: Wir steigen in den nächsten Zug der einfährt und der unserer Interrail-Zone entspricht.
Wir überlassen unsere Reise also dem lieben Gott und dem Wohlwollen der euopäischen Eisenbahnen.

Wir hatten also nix: Keine Ahnung, kein Geld und keinen Plan. Dafür aber Lust, Bierdurst und einen Willen etwas zu sehen.

Gesagt getan: Mit einem Interrail-Reiseführer Europa in der Hand gings per DB nach Lindau und von dort dann über St. Gallen nach Chur.
In St. Gallen verpassten wir dann den Anschluss, weil uns die Schweizer Cops erst mal komplett filzten und unsere mühevoll gepackten Rucksäcke zerlegt.
An diesem Wochenende war nämlich ein Hip Hop Festival in St. Gallen - und die Eidgenossen waren total heiß drauf, bei diesen beiden komischen Bayern in ihren Metalshirts ein paar Drogen zu finden.
Sämtliche Beteuerungen, dass wir uns eher heiße Eisen in die Ohren hauen würden als auch nur einen Ton Hip Hop zu hören blieben nutzlos - wir waren komische Typen in komischen Shirts, wir sind bestimmt auf dem Weg zum Festival, wir haben bestimmt Stoff dabei.
Nach einer guten Stunde wurden wir dann entlassen und konnten endlich in den Zug nach Chur.

Dort angekommen wurde bei der Schwester im Wohnzimmer Quartier bezogen und dann ging es auf ins aufregende Nachtleben in Chur.
Wegen der hohen Anzahl an Kneipen hat jede Boazn ihre eigenen Spezialität, um die trinkfreudigen Menschen anzulocken.
"Toms Bierbox" zum Beispiel sah von aussen aus wie eine überdimensionale Bixn Calanda-Bräu und von innen wie ein Biertragl.
Und die Klos im Keller waren Einzelkabinen, ebenfalls als Bierbixn. Man ging also in eine Bierbixn zum biesln. Urgeil.
Die Nacht wurde auf jeden Fall zum Tage. Irgendwann ging es dann ins Bett und nach einem weiteren Tag mit Sightseeing und einem Besuch in Toms Bierbox stapfte man am folgenden Morgen zum Bahnhof.

Dort wurde, ganz plangemäß, am Schalter gefragt, welcher Zug der nächste wäre.
Die Antwort: In 2 Minuten fährt ein Zug nach Luxemburg Stadt ein.
Alles klar, Luxemburg liegt in der Interrailzone, also auf nach Luxemburg.
Der konsultierte Reiseführer verriet uns, dass es dort einen Campingplatz gibt, den man per Bus erreichen kann.
Da wir zwangsläufig alte Sparfüchse waren nutzte man die Gelegenheit und schlug am Camping Kockelscheuer die zwei 10-Mark-Zelte vom Kaufmarkt auf.
Dann zurück in die Stadt und die engen Gassen erkundet. Sehr gut gefallen hat uns das Luxemburg. Irgendwo in der Stadt stolperten wir dann noch über ein Volksfest mit einer großen Bühne und Bierständen.
An diesen kamen wir unserer Pflicht nach und setzten einiges an Geld in Bier um.
Danach nahmen wir den letzten Bus zurück zum Kockelscheuer.
Neben unseren Billigzelten hatte sich da eine Gruppe wilder Biker aus Preißn aufgebaut, die irgendwie ihren Spaß mit den zwei verwahrlosten Münchnern hatte.
Ergo wurden wir zu Bier und Grillspaß eingeladen und zechten mit den wilden Typen noch fröhlich weiter.
Am nächsten morgen krabbelten wir ziemlich zerstört aus unseren Zelten und beschlossen, weiter zu ziehen.

Mit dem Bus ging es dann zurück zum Hauptbahnhof. Die Frage nach dem nächsten Zug wurde mit "in 10 Minuten nach Paris" beantwortet.
Paris? Beidseitiges Nicken. Noch schnell Dosenbier am Bahnhof besorgt und rein in den Zug.

Dort wurde uns zum ersten Mal bewusst, was für eine Bewegung dieses Interrail ist: Der Zug war gesteckt voll mit Backpackern aus aller Welt.
Wir erheiterten die Stimmung mit unseren Biervorräten und trafen im Laufe des Urlaubs den ein oder anderen aus diesem Zug wieder in anderen Zügen.

In Paris quartieren wir uns ein paar Tage in einer Jugendherberge ein, die im Reiseführer empfohlen wurde.
Damals war das noch nicht so einfach: Bei vielen Herbergen musste man Mitglied in einem Herbergenverein sein und durfte nicht älter als 27 sein. Nur als Mitglied konnte man sich dann einquartieren.
Am Ende des Urlaubs hatte ich eine bunte Sammlung an Mitgliedskarten von europäischen Herbergsvereinen...

Die nächsten Tage schauten wir uns dann Paris an. Zum essen gab es meistens eine Brotzeit in einem Park, natürlich mit der obligatorischen Flasche Wein. Eine pro Nase zum Mittagessen sollte es schon sein...

Paris hat uns sehr gut gefallen. Zum anschauen gibt es immer was, die Franzosen waren ausgesprochen freundlich (obwohl wir kein Wort französisch konnten) und in der Herberge wurden nette Kontakte geknüpft.

Doch irgendwann sollte es dann weitergehen, also fuhren wir zum Ostbahnhof (den Typ mit den Bahnhöfen vom Celtic haben wir auch bekommen - von einem Argentinier).
Die Frage nach dem nächsten Zug wurde am Englischschalter etwas verwirrt aufgenommen. Wo wir denn hinwollen, wollte der Bahnmensch wissen.
Das wissen wir nicht, wir wollen einfach nur wissen wo wir hin können. Das kann er uns erst sagen, wenn wir wissen wo wir hinwollen.
Das ging ein paar Minuten hin und her - der Mann hat unser Konzept nicht verstanden.
Irgendwann konnten wir ihm ein "dann nehmt doch den Zug in 20 Minuten nach Carcasonne rauslocken. Carcassone? Schnell den Reiseführer konsultiert: Größte noch erhaltene und bewohnte Burganlage Europas.
Muss man gesehen haben, wenn man sich in Frankreich tummelt. Einwandfrei.

In Carcassonne marschierten wir dann schnurstracks vom Bahnhof in die Burganlage. "Schnurstracks" dürfte so eine Stunde gedauert haben.
In der Burg gab es eine Herberge, also dort hin. Der mürrische Herbergsvater fragte, ob wir reserviert haben. Ohne Reservierung geht nix. Hatten wir natürlich nicht. Wie auch?
Aber er hatte ein Einsehen und gab uns trotzdem ein Zimmer. Einen 12er-Dorm, den wir ganz für uns alleine hatten. Genau genommen waren wir die einzigen Gäste in der Herberge.
Ausgestattet mit einer weiteren Mitgliedschaft in irgendeinem Herbergs-Vereinsorganisationsding spazierten wir durch Carcassonne und waren beeindruckt von der Burg und der Stadt.
Abends deckten wir uns dann mit Bier ein - da wir als Herbergsgäste in der Burg bleiben konnten muss die abendliche Versorgung sichergestellt sein.
Im Schutze der Dunkelheit überwanden wir ein paar Absperrungen und turnten auf einem Teil der Mauer auf einem Turm rum, auf den man eigentlich nicht darf.
Mit dem Blick auf das Land und die Stadt unterhalb hauten wir unser Bier weg und gingen dann ins Bett.

Auf zum Bahnhof. Nächster Zug? Barcelona die Herren?
Barcelona? Wir schauten uns an, nickten uns zu - und fuhren nach Barcelona, Ankunft irgendwann in der Nacht.

Dort gondelten wir aus Geldgründen wieder per Bus zu einem Campingplatz, "Camping Torro".
Viel junges Volk, eine eigene Disco - wir wähnten uns im Paradies und nutzten das Angebot gleich voll aus.
In den folgenden Tagen schauten wir uns Barcelona an. Das hat uns auch sehr gut gefallen, die Stadt konnte was.
Auf den Ramblas in Barcelona habe ich mir dann noch Spielkarten mit nackten Frauen drauf gekauft. Bestohlen wurden wir nicht.
Irgendwann reichte es dann mit Barcelona und ich schlug vor, per Zug ins Nahe gelegene Lloret de Mar zu fahren. Dort war ich schon mal mit ein paar anderen Spezln zum Schulabschluss, unsere Eltern haben uns das damals gecshenkt, - wir könnten es dort mal so richtig krachen lassen.
Gesagt, getan: Ab nach Lloret. In ein windiges Hotel in der Nähe vom Strand einquartiert und dann ab ins wilde Leben. Strand, Boazn, Disco und San Miguel bis zum Abwinken.

Als wir uns nach ein paar Tagen fertig ausgetobt hatten ging es wieder nach Barcelona. Auf der Zugtafel stand der nächste Zug mit "Madrid" beschrieben. Passt, auf nach Madrid.

Dort quartierten wir uns einem privaten Casa ein und durften in einer Art Kinderzimmer nächtigen. Der Hausherr war ein alter, sehr netter Spanier, der uns bezüglich Tappas und Kneipen sehr weiterhelfen konnte.
Madrid war auch sehr schön, aber Barcelona hat uns von der Stadt und den Menschen her deutlich besser gefallen.

Nachdem wir Madrid durch hatten war uns klar, dass uns langsam die Zeit ausgeht und wir uns wieder gen Heimat orientieren müssen.
Schade, weil wir durchaus noch auf Marokko oder Portugal gehofft hatten. Aber hilft ja nix.
Also sind wir wieder zum Bahnhof und machten das übliche Spielchen. Am Ende entschieden wir uns für einen Nachtzug nach Brüssel. Dann sparen wir eine Übernachtung. Geld, das wir wieder in Bier umsetzen können.
Auf der Zugfahrt haben wir natürlich kaum geschlafen, sondern wieder unsere Biervorräte vernichtet. Inzwischen hatte sich uns ein Brasilianer angeschlossen, aus Sao Paolo.
Der wollte am Ende seines Trips einen Freund in Hamburg besuchen, der dort auf St. Pauli. Der Zufall mit St.Pauli und Sao Paolo war dem guten Mann gar nicht aufgefallen.
Und der Bub hatte noch weniger Geld als wir: Statt eines Fotoapparrats (zu teuer in der Anschaffung, Bilder entwickeln zu teuer) kaufte er sich in jeder Stadt eine Postkarte.

Früh morgens kamen wir dann in Brüssel an, sperrten unser Gepäck ins Schließfach und machten uns auf die Hotelsuche. Da wir bei der Suche an allen Sehenswürdigkeiten vorbeikamen (Martkplatz, Männekken Piss...) namen wir die gleich dant mit.
Und weil uns Brüssel so überhaupt nicht gefallen hat und die ganzen Snobs verlotterte Gestalten wie uns absolut Scheisse behandelten war klar: nix wie weg.
Wie immer hatten wir am Bahnhof Glück: Nächster Zug nach Amsterdam.

Also mitsamt Bierbixn, Brasilianer und Rucksäcken auf ins aufregende Amsterdam.
Da die Zeit langsam wirklich eng wurde war klar, dass das unsere letzte Station sein wird. Also buchten wir am Tag nach der Ankunft gleich einen Zug nach München (dein Heimatland war im Interrailticket nicht dabei) und schauten uns noch ein paar Tage Amsterdam an.
Den Brasilianer zog es dann weiter nach Hamburg und wir machten uns ein paar Tage später bewaffnet mit Plastiktüten voll Bier auf zum Bahnhof.

In unserem Abteil saßen dann zwei Amis in unserem Alter, die sich entsetzt ob unseres Bierkonsums zeigten.
Doch nachdem wir sie an unseren Vorräten beteiligten brach das Eis und die beiden machten sich auch richtig schön bläd im Schädel. Vertragen habens nicht viel, aber lustig warens.

Zurück in München spielte ich dann noch drei Tage Reiseführer für die beiden Amis. Am ersten Tag waren wir noch viert.
Am zweiten Tag schleppten sie dann ein paar weitere Menschen aus dem Hostel (dem Wombats) mit, so dass wir schon zu zehnt waren. Die beiden haben jedem im Hostel erzählt, dass sie einen "Local" haben, der sie umsonst rumführt... Und Backpacker sind nun mal Sparfüchse.
Und am dritten Tag bestand die Gruppe aus 30. Das war mir dann zu viel, so dass ich die Horde in den Augustiner Biergarten geführt hab und ein riesiges Zechgelage stattfand.
Das war dem Großteil der Touris eh am liebsten - wenn man schon in München ist, muss man sich auch wie die Hiesigen abschießen, war die einhellige Meinung.

Tja - am Tag drauf war ich dann wieder in der Arbeit.

Und irgendwann, eines Tages, werde ich mir wieder ein Interrailticket kaufen und den lieben Gott entscheiden lassen, wo es hingeht.

Wunderbar!

Celtic, Sunday, 26.02.2017, 19:58 (vor 3341 Tagen) @ Weisswuaschd to go

Aber nochmal mache ich das nicht. Dafür bin ich zu alt.

Obwohl... Bei meinen Irland-Trips mache ich ja auch nichts anderes als hinfliegen und dann vor Ort schauen wie es weitergeht. Ein wirklichen Plan habe ich da vorher auch nie.

Wunderbar!

Weisswuaschd to go, Monday, 27.02.2017, 10:07 (vor 3340 Tagen) @ Celtic

Ab und zu muss ich wieder an den Trip denken und muss immer noch lachen - deswegen Danke für die Gelegenheit, das alles mal wieder in Kurzform zusammen zu fassen.
Alleine beim Schreiben hats mir den ein oder anderen Lacher raus gehauen.

Wir waren so dermaßen grün hinter den Ohren und hatten überhaupts keinen Schimmer von gar nix, aber irgendwie haben wir diese 3 Wochen Urlaub ohne Katastrophen hinbekommen und etwas ganz wunderbares hingezaubert.

Vielleicht auch weil wir so herrlich unbekümmert waren.

Nicht dass meine Urlaube 20 Jahre später schlechter wären, überhaupts ned. Aber dieses "werd scho bassn, scheiss drauf" bekomme ich nicht mehr ganz so lässig hin wie noch mit 18 :-)

Interrail 1982/83 oder so

Heidelberg, Monday, 27.02.2017, 13:23 (vor 3340 Tagen) @ Celtic

In der Feldkircher Bahnhofskneipe war ich kürzlich auch erst wieder. A gschmeidige Boazn!

Interrail 1982/83 oder so

hjs suchend, Tuesday, 28.02.2017, 11:36 (vor 3339 Tagen) @ Celtic

Ich hatte auch mal über eine Interrail-Reise berichtet. Finde das aber unter keinem Schlagwort hier.

Interrail 1982/83 oder so

nordkurvenasso, Tuesday, 28.02.2017, 15:17 (vor 3339 Tagen) @ Celtic

Dann warst ja vermutlich beim 3-2 gegen Landshut gar ned am Start?

War das zwischen Weihnachten und Dreikönig?

Celtic, Tuesday, 28.02.2017, 22:10 (vor 3339 Tagen) @ nordkurvenasso

Ich glaube nicht. Ich habe das Spiel schon noch in guter Erinnerung :-P

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