FC St. Pauli boykottiert BILD-Aktion (Forum)
Am kommenden Wochenende wollen sich die Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga im Sinne der Integration von Flüchtlingen engagieren. Doch nicht alle sind davon begeistert, dass auf dem linken Trikotärmel das Logo der "Bild"-Aktion "Wir helfen - #refugeeswelcome" prangen soll. Der ohnehin rebellische FC St. Pauli hat inzwischen erklärt, sich der Aktion verweigern zu wollen. Offensichtlich missfällt dem Verein das Zusammenspiel zwischen Hermes, das sonst mit seinem Logo auf den Ärmeln wirbt, und dem Springer-Blatt.
Trotzdem bleiben mehrere Unklarheiten. Denn zum einen wirbt die DFL mit der Aktion, andererseits erklärt sie aber, dass die Hoheit über die Inhalte, die über den Werbeplatz auf dem Ärmel präsentiert werden, alleine bei dem Sponsor liegt. So oder so stellt sich die Frage, ob die Entscheider nicht ein wenig mehr Fingerspitzengefühl bei der Wahl des Partners hätte beweisen müssen. Ob also eine Zeitung, die in den vergangenen Jahren nicht gerade für eine herzliche deutsche Willkommenskultur stand, der richtige Partner für so eine Aktion ist. Eine Zeitung, die noch vor wenigen Monaten mit Schlagzeilen wie dieser Stimmung machte: »Sanitäter tragen Schutzwesten aus Angst vor Attacken im Asyl-Hotel« (8. September 2014). Oder dieser: »Rentner raus, Flüchtlinge rein« (11. März 2014). Und die regelmäßig voller Sorge fragt, wie viel Euro im Monat ein Asylbewerber von der Bundesrepublik bekommt, während die deutschen Hartz-IV-Empfänger kaum noch Brotkrumen zum Leben haben. Nun hat sich die »Bild« also die Hilfe für Flüchtlinge auf die Fahne geschrieben. Als wolle man mal eben schnell ein Feuer löschen, das man zumindest teilweise selbst gelegt hat.
http://www.11freunde.de/artikel/die-dfl-die-bild-und-die-fluechtlinge
Andreas Rettig, kaufmännischer Geschäftsleiter des Vereins, äußerte sich am Mittwoch zu der Entscheidung, sich nicht an der Aktion beteiligen zu wollen: "Der FC St. Pauli ist seit vielen Wochen auf verschiedenen Ebenen zu einem Thema, das seit Monaten alle emotional bewegt, aktiv, um den Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, zu helfen. Unser Testspiel gegen Borussia Dortmund, das private Engagement unserer Spieler sowie verschiedenste Aktionen unserer Fans und Abteilungen für die Flüchtlinge in Hamburg sind Beleg dafür. Daher sehen wir für uns nicht die Notwendigkeit, an der geplanten, für alle Clubs freiwilligen Aktion der DFL teilzunehmen."
