"Viktualienmarkt: Standlbesitzer ärgern sich über Fußballfans" ist eine sachlich zutreffende Überschrift. Inhaltlich wären die Klagen mit "zu laut, zu viele, einige betrunken, verschrecken die Touristen, ein Übermütiger zündet eine Pyrofackel" rasch abgearbeitet. Ob der Ausgewogenheit vielleicht zusammen mit dem Hinweis, dass andere Standlbesitzer gute Geschäfte gemacht haben mit der etwas anstrengenden Kundschaft.
NA UND? WEN INTERESSIERT DENN DAS, IHR NOVIZEN?
Die Wahrheit ist selten sexy. Das muss mehr knallen! "Hooliganüberfall auf Viktualienmarkt" – DAS ist eine Headline! Im Artikel selbst müssen die Signalwörter "Krawall", "Randale", "Krawallbrüder", "Schrecken", "Ausschreitungen", "Angst" und "neue Dimension der Gewalt" vorkommen. Teilnehmer sind als "vermeintliche Fans" zu bezeichnen. Capire?
Beherzigt das und der Redaktionsleiter ist zufrieden, die Verkäufe am Zeitungskiosk stimmen, die Klickzahlen passen, die Leserschaft gruselt sich angenehm, Lokalpolitiker haben ein leichtes Thema, um sich zu profilieren, Folgeartikel lassen sich einfach generieren. Allen ist geholfen. Gut, fast allen.
In der nächsten Lektion zeige ich euch, wie man ein Interview im Nachgang so hindreht, dass den Interviewten fast der Schlag trifft, wenn er die Zeitung aufblättert.