Hier die Pressemitteilung des FCB dazu (Forum)

lustiger_hans, Friday, 31.12.2021, 09:47 (vor 231 Tagen) @ Faktenprüfer

Du wolltest ja den Staat darüber entscheiden lassen, was für eine Bezahlung im Jugendtrainingsbereich angemessen ist, ich bin der Meinung, dass sollten die Verbände mit Ihren Mitgliedern (Vereine) regeln und zwar nicht nur im Fussball, sondern bei jeder Sportart (Gleichbehandlung aller Trainer*innen - oder ist die Arbeit von Trainern in anderen Sportarten weniger Wert?)

Der Staat muss die Rahmenbedingungen vorgeben. Jenseits von dem was definitiv Ehrenamt ist, gilt immer das Arbeitsrecht. Egal ob Kassiererin, Trainer oder Sparkassendirektor.


Also bin ich ja bei Dir, dass man Trainer*innen anständig für Ihre Tätigkeit entlohnen soll, allerdings muss man auch bedenken warum die Trainer nur auf 460€ Basis arbeiten, die meisten haben nämlich noch einen festen Job.
Auch kannst Du einen U10-U14 Trainer kein Gehalt bezahlen, von dem er zumindest in einer Stadt wie München, allein von Leben kann.

Man kann, wenn man sie fest in Vollzeit anstellt. Dann müssen sie halt neben dem Training noch weitere Leistungen erbringen. Wir reden da jetzt von einer professionellen Ausbildungseinrichtung einer AG. 450€ geht ebenfalls, dann müssen einige Aufgaben eben von anderem Personal ausgeführt werden. Jeder Bäcker weiss, dass er von seiner 450€-Samstagskraft nicht erwarten kann, dass sie auch Montag bis Freitag 8 Stunden kommt.

Gehen wir das doch mal in der Praxis durch, der Aufwand eines Jugendtrainers über 12 Monate liegt z.b. bei ca. 50 Stunden im Monat, bei einem Mindestlohn von €15,00 bekommt dieser also dann 750€ Brutto -und muss diesen zu seinem Regelsteuersatz versteuern, kommen also je nach dem RS 400-500€ raus - also „verdient“ der Trainer schon mal nicht mehr, als bei einem 450€ Job, faktisch wird der Trainer jetzt zwar „gerechter“ entlohnt, in der Praxis bekommt er dafür aber fast keinen Cent mehr….

Bezahlung im Übergansbereich geht von 450-1300 €. D.h. er zahlt eh nicht die vollen Abgaben. Von 750€ bleiben netto ca. 600€ übrig. Außerdem bekommt er nicht nur mehr Geld, er erwirbt z.B. auch einen Rentenanspruch. Wenn es für dich ok ist, einen Trainer mit 50 Monatsstunden mit 450€ zu bezahlen, dann stimmt was nicht.

Klar können sich Kapitalgesellschaften wie das Pack und andere Bundesligisten die steuerlichen Mehrausgaben locker leisten, bekommt halt RL9 nur noch 12mio€/Jahr statt 15mio€ - aber wenn der Staat es in den NLZ der Bundesliga diese Maßstäbe ansetzt, muß er es auch bei jedem anderen kleinen Verein (und zwar in jeder Sportart) auch machen - Gleichheitsgrundsatz.


Eine Lösung, die ich sehe wäre z.B. der Staat führt bei Trainern und Mitarbeitern in sozialen Bereichen wie z.B. Sport, Jugendbetreuung, aber auch im Medizinischen Bereich - Stichwort Pflege und Palliativ Stationen einen Steuerfreien Sockelbetrag von z.B. 20.000€ Jahr ein - d.h. alles was man bis zu dieser Grenze verdient ist Steuerfrei - erst danach beginnt die Steuerlast.

Dann will jeder andere auch eine Extrawurscht. Das System muss einfacher werden, nicht schwieriger. Außerdem darfst du davon ausgehen, dass dann noch mehr beschissen wird, als eh jetzt schon.

Ich denke, dann wären auch wieder viel mehr Menschen bereit, sich sozial zu engagieren und zwar egal in welchen Bereich…

Ich glaube nicht, dass du da viel mehr Leute herbekommst. Zumindest nicht auf Dauer. Kurzfristig stehen immer viele da, langfristig sind die meisten recht schnell wieder weg. Egal, wo. Engagenment kostet Zeit und Nerven. In jedem Verein bleibt am Schluss eine Hand voll Engagierte und denen ist das Geld wurscht.

Aber der Staat macht es in meinen Augen wie Du, prangert zwar die Mißstände an, setzt seine (berechtigten) Ansprüche durch, bringt aber keine praxisgerechten Lösungsvorschläge - wie die Bürger und damit auch die Vereine es in der Realität besser machen können - die Durchsetzung des angeblichen Mindestlohn bringt nämlich nur den Staat etwas - die Mitarbeiter#innen in diesem sozialen Bereich, wie an meinem Beispiel geschildert, haben keinen pekuniären Vorteil.


Der Staat muss Rahmenbedingungen vorgeben. Und zwar für alle gleich. Bloss weil einige meinen, dass sie in dem was sie tun so toll sind, dass es nicht für sie gilt, stimmt das nicht. Das Problem im sozialen Bereich ist oft nicht so sehr das Geld (woanders wird auch nicht unbedingt mehr bezahlt!), sondern die Arbeitsbedingenen. Und da gehört das oben geschilderte Beispiel von 50 Monatsstunden für 450€ genau dazu. Oder red mal mit einer Intensivkrankenschwester, der ist Klatschen eh wurscht, aber auch 100 € mehr würden viele ablehnen, wenn nur endlich eine Unterstützungskraft eingestellt werden würde.


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