Newcastle Rugby WM 2015 - Bericht (Forum)

Rugbywuaschd, Donnerstag, 10. August 2017, 10:22 (vor 71 Tagen) @ Joerg

In NC waren wir 2015 bei der Rugby-WM beim Spiel Schottland gegen Samoa.
Beide Mannschaften mussten unbedingt gewinnen, um die Gruppenphase zu überstehen und ins Viertelfinale einzuziehen.

In Newcastle angekommen (wir kamen von Leicester, weil dir dort Kanada - Rumänien mitgenommen haben – und das frühe Ausscheiden Englands in einem Pub per TV) naschten wir erst mal in einem Pub ein paar Bier und wanderten dann erst mal in unser Hostel in einem runtergekommenem Arbeiterviertel mit Motorradwerkstätten, kleinen Frühstücks-Fast-Food-Läden und vielen angegammelten Häusern.

Im Hostel angekommen versuchten wir erst mal beim Herbergscheckerello Steve einzuchecken.
Steve hatte sich dummerweise mit den Gästen etwas gütlich getan und war leicht angsoffn und etwas angeraucht. Typ Alt-Hool und immer noch ein fieser Pub-Fighter mit ausgeprägtem Merseyside-Akzent (Steve war nämlich eigentlich aus Liverpool).

Wir wedelten mit unserer Reservierung und versuchten ihm mit unserem astreinen Oxford-Englisch zu erzählen, dass wir für 5 Nasen einen Dorm für 2 Nächte gebucht haben.
Ich war noch gar nicht fertig mit der Begrüßung als er uns schon anbellte: "ARE YOU SCOTTISH?".
Huch, naa, mir san lustige Bayern, natürlich.
Glück gehabt, meinte der Steve und entspannte sich sofort. Wenn er eins nicht ausstehen kann sind das Schotten.
Erst gestern Nacht hat er 5 davon rausgeschmissen. Die haben des Nächtens nämlich auf dem Gang rumgetobt und andere Zimmertüren aufgerissen.
Und das gefiel dem schottenhassenden Steve gar nicht.

Also ging er in das schottische Zimmer und meinte zu der Gruppe, dass es 3 Optionen gibt:
1.) Steve haut ihnen aufs Maul und sie gehen
2.) Er holt die Polizei und sie gehen
3.) Sie gehen freiwillig
Er würde Nummer 1 präferieren.
Antwort der verdammten Schotten: "Ok, we go".
Etwas enttäuscht schmiss er dann noch das Gepäck der Schotten aus dem Fenster, ließ sie dann aber unbehelligt ziehen.

Dann wurde er aber doch misstrauisch und wollte wissen, warum wir denn in NC sind.
Wegen dem Spiel morgen, natürlich. SCOTLAND? Ja schon, aber wir unterstützen natürlich Samoa (räusper). Entspannung bei Steve.
Nachdem wir ihn endgültig überzeugen konnten dass wir definitiv keine Schotten sind brachte er uns noch in unseren Dorm. Dann zeigte er uns die Waschräume. Und dann brachte er uns noch in eine Dusche, deren komplette Duschhalterung abgerissen war.
Denn "a fuckin´ fat women" ist da drin ausgerutscht. Und diese fickende Schlampe hat ihm seine Dusche ruiniert.
Steve mag nicht nur keine Schotten nicht, sondern auch keine fetten Weiber.
Uns aber mochte er.

Wir schmissen uns dann ins Nachtleben von NC, aßen gesundes englisches Essen und tranken gesundes englisches Bier.

Zurück von unserer Zechtour am Hostel angekommen tobte davor der Mob: Eine Horde betrunkener Neuseeländer soff und feierte ausgelassen. Mittendrin: Steve, raketenvoll und Augen so rot wie ein dunkel gefärbter FCK-Schal.
Steve sah uns kommen, rannte auf uns zu, riss die Arme hoch und nahm uns alle in den Arm, um fröhlich mit uns im Freundeskreis zu hüpfen.
Er mochte uns. Und war Canale Grande. Guter Mann.

Auf dem Billardtisch im Aufenhaltsraum schlief ein Mensch, ebenso darunter. Und an der Wand. NC war wegen der WM ausgebucht und Steve hat freie Flächen für 5 Pfund verhökert. Geschäftstüchtig.

Frisch ausgeschlafen ging es am nächsten Morgen in einen der vielen Frühstücksläden, die vor allem von hantigen Bauarbeitern und anderem Arbeitervolk frequentiert wurden.
Danach Bier zapfen in einem Pub und dann zogen wir Richtung Fanmeile vor dem Stadion.
Dort lief das inzwischen übliche Unterhaltungsprogramm, aber noch etwas dezenter als bei den Fußballern.
Entspannte und freudige Stimmung überall. Wir waren noch angeschlagen vom Vorabend und versuchten uns mit Bier und/oder Cider wieder aufzurichten.

Kurz vor Beginn dann ab ins Stadion. Von unseren Plätzen aus hatten wir eine tolle Sicht auf das Stadion und über Newcastle.
Samoa startete traditionell mit dem Haka-Tanz (bekannt vor allem durch Neuseeland) und schon ging das Gerangel los.

Vor uns saßen drei gut gelaunte Schotten (einer davon der Zwilling vom Obststand-Didi), denen sofort unsere seltsame Sprache auffiel.
Wie überall erntet man als German, der zur Rugby-WM fährt, Erstaunen und Freude. Ein nordenglisches Mädel und ihr schottischer Freund neben mir waren auch sofort begeistert und erklärten während des Spiels ein paar Regeln – ganz firm waren wir noch nicht damit.
Nach ein paar Minuten Spielzeit waren unsere drei Schotten vor uns etwas erbost ob der mauen Stimmung und fragten, ob wir nicht mit ihnen singen wollen.
Freilich wollten wir – Vollgas Oida.
Und schon ging es los: „one to three Scoooootland“. Und ich schwöre bei Gott, dass 3 Schotten und eine handvoll Bayern das ganze Spiel über eine wunderbare Stimmung hinzauberten.
Und ich schwöre bei Buddha, dass wir den entscheidenden Versuch zum Sieg Schottlands nur durch unseren Aaaaaaaah-Schrei über die Linie brachten, als ein Schotte –begraben unter 40 samoanischen Kühlschränken- irgendwie unter der Masse heraus seine Hand mit dem Ball über die Linie drücken konnte. Fantastisch.
Schottland gewann also das Match und unsere neuen schottischen Freunde zauberten einen Flachmann hervor und ließen uns mittrinken. Prost.

Nach dem Spiel ging es dann nochmal ab in die Stadt und den letzten Abend feiern.
Beim Deutschen Bratwurststand (sic!) im Zentrum Newcastles probierte einer der Mitreisenden die Bratwurst. Wie immer fielen wir durch unsere seltsame Sprache auf, was einen lokalen Radiomoderator dazu brachte, uns anzusprechen.
Er fand das so lustig, dass Germans zum Rugyb kommen, dass er uns stande pede ein Live-Interview per Handy zu seinem Sender klar machte. Er wartet nur noch auf die Schalte und dann hätten wir 10 Minuten Zeit was zu erzählen.
Ach du grüne Neune.
Der Typ war allerdings so hyperaktiv und aufgedreht, dass dem einen früher, dem anderen später (mir) klar wurde, dass der Bub vom weißen Marschierpulver genascht hatte. Und das anscheinend nicht zu knapp.
Und nachdem wir draußen stehend und ohne Bier auf die Live-Schalte warten mussten und der Kerl nicht mehr mit dem Sprechen aufhören wollte beschlossen wir nach geraumer Zeit, dass es jetzt Zeit fürs nächst gelegene Pub ist. Scheiß auf irgendeine Live-Schalte.
Also gingen wir, den Moderator im Schlepptau, in einen wunderschönen Pub mit Wuidsei an den Wänden. Bier geholt und weiter gings. Der Moderator hing dann noch 10 Minuten an uns dran, hielt weiter Kontakt mit seinem Sender per SMS, erkannte dann aber dass wir eigentlich gar keine Lust mehr hatten und zog von dannen.
Wir vertranken die Zeit in diesem Pub und schauten den lustigen und singenden Schotten zu, als plötzlich zwei dampfhammervolle Dudelsackspieler reinkamen und wegen des Rausch extrem schiefe schottische Weisen zum besten gaben.
Hätten sie Preußens Gloria gespielt wäre es mehr Preußen als Gloria gewesen…
Egal, alle hatten Spaß und sangen mit.

Und am Ende des Tages strawanzten wir in unser Hostel zurück, legten uns in unsere Kojen und flogen am nächsten Tag über Manchester heim.

Newcastle – i mog di.

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Reiseberichte


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